Sie sind nicht aus Überzeugung oder Frömmigkeit in diesen Glaubenskrieg gezogen, sondern um "Beute zu machen". Den Söldnerheeren folgt ein riesiger Tross - die Frauen und Kinder der Soldaten sowie zahlreiche Händler und Handwerker - und sie alle müssen sich aus der Umgebung versorgen. "Der Krieg ernährt den Krieg" heißt die Regel. Zahlen die besetzten Gebiete keine Kontribution, werden sie zur Plünderung freigegeben. Zurück bleiben zerstörte Landschaften, abgebrannte Höfe und Dörfer.
Als Pappenheim in den frühen Morgenstunden dieses 20. Mai losstürmt, stößt er auf erbitterten Widerstand der Magdeburger Bürgerschaft. Einige gießen siedendes Wasser aus den Fenstern in die engen Gassen, andere schießen aus Kellern auf die eindringenden Feinde. Viele Angreifer erliegen dem Steinhagel der wütenden Bevölkerung. Pappenheim - aufgrund seiner vielen Narben auch Schrammenhans genannt - verliert 1000 Mann.
Durch den Häuserkampf mit den Zivilisten erbittert, stürmen die kaiserlichen Soldaten die Häuser und metzeln die Zivilisten nieder. Tillys Soldaten laufen Amok und legen Magdeburg in Schutt und Asche. Sie werfen brennende Fackeln durch die Fenster. Bald geht die ganze Stadt in Flammen auf. Tilly zeigt sich davon nicht beeindruckt und erwidert auf das Flehen katholischer Offiziere, die Gräuel zu stoppen nur knapp: "Der Soldat muss etwas haben für seine Gefahr und Mühsal."
Am folgenden Tag meldet Pappenheim an den Braunschweiger Herzog: "Die Hoffart Magdeburg ist, Gott sei ewig gelobt, gedämpft und ihre Jungfrauschaft hinweg."
Von der "Magdeburger Braut" ist nach dem Wüten der Söldner nicht mehr viel übrig: Da die wenigen Überlebenden in den Ruinen kein Auskommen mehr finden, verringert sich die Zahl der Einwohner auf 449 (1632). Für Generationen wird die Erstürmung Magdeburgs zum Sinnbild für die Leiden der Zivilbevölkerung, für die Verrohung des Soldaten. So beispiellos ist das Geschehene, dass die Zeitgenossen ein neues Wort dafür erfinden: "Magdeburgisieren" wird zum Begriff größtmöglichen Grauens.
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