Alfred Brehm – Der Tiervater aus Thüringen

Die Story um das Berliner Eisbärenbaby Knut ist ein Rückfall in jene Zeiten, da Tiere in erster Linie danach bewertet wurden, ob sie dem Menschen Vergnügen bereiten. Kein anderer als der berühmte Naturforscher Alfred Brehm aus dem thüringischen Renthendorf hat diese Auffassung ebenfalls vertreten. Vor über 140 Jahren teilte er die Tiere im Vorwort zum 4. Band seines Bestsellers „Brehms Tierleben“ in verschiedene Kategorien ein. Nicht nach Bau, Fortpflanzung oder Ernährung, sondern danach, wie viel Freude sie dem Menschen bereiten: „Die Säuger sind die Nutzthiere, die Vögel die Vergnügungsthiere des Menschen. Jene müssen zollen und geben, wenn sie vom Menschen nicht vertilgt werden wollen, diese genießen eine Bevorzugung vor allen übrigen Thieren: sie besitzen des Menschen Wohlwollen und des Menschen Liebe.“

Eine Villa in Markkleeberg wird zum Wirtshaus umfunktioniert.

Die "Biertrink-Szene" wird vorbereitet.

Schimpanse Babsy kriegt die Kameraposition zugewiesen.

Ein Herz und eine Seele - Schimpansendame Babsy und Brehm-Darsteller Paul Weismann.

Babsy checkt die Tageseinnahmen.

Sitzt bei der ersten Klappe - die "Biertrink"-Szene (Alle Bilder: Axel Berger)

Ein Herz und eine Seele - Schimpansendame Babsy und Brehm-Darsteller Paul Weismann (Bild: Axel Berger)
Ein Herz und eine Seele - Schimpansendame Babsy und Brehm-Darsteller Paul Weismann
Eine Villa in Markkleeberg wird zum Wirtshaus umfunktioniert (Bild: Axel Berger)
Eine Villa in Markkleeberg wird zum Wirtshaus umfunktioniert

„Tiervater Brehm“ nannten ihn Millionen Leser und Bewunderer. Aber war der Vater der Tiere auch ein Freund der Tiere oder schätzte er nur jene, die schon seit alters her in der Überlieferung eine glanzvolle Rolle spielten, übernahm er nicht jahrhundertealte Klischees und fügte ihnen neue hinzu?

War Tiervater Brehm wirklich ein so glänzender Forscher oder eher ein faszinierender Erzähler? Was machte ihn so populär? Brehm hat seinen Lesern nicht nur die Nähe zu ausgewählten Tieren vermittelt, sondern auch tradierte Vorurteile manifestiert und den Weg zum wirklichen Verständnis des Lebens der Tiere und zur ganzen Tierwelt verbaut. Seine „Charakterbilder“ der Tiere sind eher konservativ und bieder, und waren auch damals schon umstritten. Wurde der „Tiervater Brehm“ verkannt und auf einen Sockel gehoben, wo er nicht hingehört?

Der Film will das Bild des berühmten Thüringers Brehm nicht beschädigen, aber er will es gerade rücken, einen kritischen Blick auf den Zoologen werfen, der seine Verdienste hat, aber auch auf seine nicht nur in seiner Zeit begründeten Schwächen. Und er will auch ein Porträt des privaten Brehm skizzieren, auf den Privatmann, den Abenteurer, Forscher, Schriftsteller und Zoodirektor.

Er folgt dem Leben und Wirken Brehms an authentische Orte in Thüringen, Afrika, Hamburg und Berlin. Historische Dokumente, Tieraufnahmen, Spielszenen und Originaltöne von Biografen, Zoologen, Befürwortern und Gegnern seiner Anschauungen ergänzen das Lebensbild Alfred Brehms.


Sendung: 14.10.2007, 20.15 Uhr, MDR 

Drehorte: Berlin, Greiz, Renthendorf, Jena, Leipzig

Die historische Persönlichkeit Alfred Edmund Brehm (1829-1884)

Der deutsche Zoologe und Schriftsteller Alfred Edmund Brehm, der im Volksmund liebevoll auch „Tiervater Brehm“ genannt wird, wurde 1929 in Unter-Renthendorf geboren als Sohn des Pfarrers Christian Ludwig Brehm und dessen zweiter Frau Bertha Brehm.

Christian Ludwig Brehm machte sich auch als Ornithologe einen Namen, indem er mit einer beachtlichen Sammlung von über 9000 Vogelbälgen der Fachwelt einen bedeutenden Einblick in die Vogelwelt bot. Mit acht Jahren bekam Alfred Brehm seine erste Vogelflinte geschenkt - vielleicht der Grundstein für sein späteres Leben. In Altenburg beginnt er eine Maurerlehre und besucht die Kunst- und Handwerksschule mit dem Ziel des Architekturstudiums. Seine Lehrjahre hatten durchaus Bedeutung für sein weiteres Leben, denn er konnte seine handwerklichen Fähigkeiten und baufachlichen Kenntnisse bei der Planung seiner Zoobauten nutzen. Sein Architekturstudium brach Brehm nach zwei Semestern ab – trotz Stipendium. 1847 startete Brehm eine fünfjährige Expedition nach Nordostafrika als Sekretär und Gehilfe des Barons John Wilhelm von Müller. Nach seiner Rückkehr begann er 1853 mit dem Studium der Naturwissenschaften an der Universität Jena, das er bereits nach vier Semestern mit der Promotion abschloss.

1856 begab sich Brehm auf eine zweijährige Spanienreise, auf der ihn sein Bruder Reinhold begleitete. Nach seiner Rückkehr ließ er sich als freier Schriftsteller in Leipzig nieder um dort u.a. Beiträge für die Zeitschrift „Die Gartenlaube“ zu schreiben und als Lehrer für Geographie an einem Gymnasium zu arbeiten.

Im Mai 1861 heiratete Alfred Brehm seine Cousine Mathilde Reiz, mit der er fünf Kinder bekam. Bald darauf begleitete er Herzog Ernst II. auf seine Reise nach Abessinien. Danach besuchte er mehrfach Afrika, Skandinavien und Sibirien. Auch Ungarn und Spanien waren ihm unter ornithologischen Gesichtspunkten eine Reise wert. 1862 wurde Alfred Brehm erster Direktor des Zoologischen Gartens Hamburg und behielt die Stelle fünf Jahre um danach in Berlin ein prachtvolles Aquarium zu einzurichten.

1883 machte sich Brehm auf den Weg in die USA um mehrere Vorträge dort zu halten. Vier seiner Kinder erkrankten kurz zuvor, aber der verwitwete Brehm entschloss sich aufgrund der sonst fälligen Vertragsstrafen trotzdem für die Reise. Während seiner Abwesenheit verstarb sein jüngster Sohn. Zur Trauer um das verlorene Kind kam die Malaria hinzu, die ihn bis zum Tod quälte. 1884 kehrte Brehm nach Berlin zurück, entschloss sich kurz darauf aber, seinen Lebensabend in seiner Heimat Renthendorf zu verbringen, wo er im November des Jahres 1884 verstarb.

Hinterlassen hat Alfred Brehm das prächtige, zwölfbändige Nachschlagewerk „Brehms Thierleben“, das die zoologische Fachliteratur sehr beeinflusste. 

Der Autor und Regisseur: Lew Hohmann

Der Filmemacher wurde 1944 in Schmiedeberg. Nach der Schule studierte er Regie an der Filmhochschule Potsdam - Babelsberg. Fast 20 Jahre arbeitete er als Autor und Regisseur im DEFA - Dokumentarfilmstudio. Von 1991 bis 1997 entwickelte er als Geschäftsführer und Produzent der Filmproduktion „Tele Potsdam“ mehrere TV-Formate. Heute ist er freier Filmemacher, Professor an der Hochschule Anhalt, Sachbuch- und Webautor. Er hat insgesamt etwa 50 Filme gedreht, so zum Beispiel 1983 über den Thomanerchor sowie Martin Luther, zwischen 1985 und 1998 entstand die „Wolf-Trilogie“, 1999/2000 „Die Preußen-Chronik“, 2002 „Deutschland und Polen“.

Hohmann ist seit 2003 an der Reihe „Geschichte Mitteldeutschlands“ beteiligt.

Der Kameramann: Andreas Bergmann

Andreas Bergmann, 1953 in Potsdam geboren, absolvierte zunächst eine Ausbildung als Obstgärtner, bevor er 1971 eine Ausbildung als Regieassistent beim DFF begann. Dem Abitur Ende der 70er Jahre folgte ein Studium an der Filmhochschule Babelsberg. Nach dem erfolgreichen Hochschulabschluss arbeitete Bergmann meist freiberuflich für verschiedene Sender und Filmstudios wie das DEFA-Dokumentar-Studio oder den ORB.

Im vergangenen Jahr nahm er eine Gastprofessur für „Künstlerische Kamera“ an der Filmhochschule Konrad Wolf an. Insgesamt wirkte Andreas Bergmann an mehr als 150 Filmen mit.

Der Fachberater: Andreas Schulze

Der Tierfilmer wurde 1965 geboren. In München studierte er Germanistik und Biologie und ist heute freier Mitarbeiter des Bayrischen Rundfunks. Außerdem ist Andreas Schulze Autor zahlreicher Fernsehfilme, Hörfunkbeiträge, Bücher und Tonträger über Tiere. 1989 erhielt er den Bruno-H.-Schubert-Preis, ein Beispiel für die hohen Auszeichnungen, die er für seine Arbeit bekam.

Die DarstellerInnen

Alfred Edmund Brehm, jung - Philipp Otto
Alfred Edmund Brehm, alt - Paul Weismann
Christian Ludwig Brehm - Uli Krohm
Berta Brehm - Michaela Möldner
Mathilde Reiz - Friederike Ziegler
Alfred Brehm, jung - Justin Stöckel
Alfred Brehm, alt - Tim Lieske
Oscar - Vincent Spitzweg
Edgar - Theo Babke
Thekla - Lena Luft
Reinhold - Lukas Luft 

Das Projekt-Team

Autor: Lew Hohmann
Kamera: Andreas Bergmann    
Licht: Mario Erdenberger
Kostüm: Torsten Mittelstädt
Maske: Donka Holeček
Ausstattung: Ulrike Schwarzburger
Musik: Michael Hartmann
Schnitt: Daniel König
Aufnahmeleitung: Katrin Löffelmann
           
Produktionsleitung: Volker Holeček
Producer: Gabriele Reichelt
Redaktion: Winifred König
Leitung: Claudia Schreiner