Ein Schicksal unter vielen
Als Reinhard Heydrich, der Stellvertretende Reichprotektor von Böhmen und Mähren, 1942 an den Folgen eines Attentats starb, geriet Anna Letenskas Ehemann Vladislav Čaloun in die Fänge der Gestapo. Andula selbst kam aber nicht in Sippenhaft wie die Angehörigen der anderen, oft willkürlich Verhafteten. Sie konnte ihre Rolle in der Komödie „Ich komme gleich“ weiter spielen. Ohne sie hätten die Dreharbeiten abgebrochen werden müssen. Zu stark war ihre Rolle durch ihr charakteristisches, unverwechselbares Spiel geprägt. Vor der Kamera gab sich Anna Letenska professionell, in den Drehpausen brach sie zusammen aus Sorge um ihre Familie, aus Angst vor der Zukunft. Nach der letzten Klappe wurde sie verhaftet und verhört, anschließend nach Theresienstadt und Mauthausen deportiert. Am 24. Oktober 1942 wurde Anna Letenska im KZ Mauthausen umgebracht.
Die Schauspielerin Hannah Herzsprung reflektiert in dem Film über Andulas Schicksal, über die Äußerungen der Zeitzeugen, über die Spuren von Andulas Leben. Sie spürt dieser Geschichte der ermordeten Berufskollegin an Originalschauplätzen nach und versucht nachzuempfinden, wie ein unschuldiger Mensch in die Todesmaschinerie des NS-Regimes geriet.
Von der Idee über ein Kinodrehbuch zum Dokumentarfilm
Vor über 10 Jahren erfuhr Regisseur Fred Breinersdorfer durch den Filmproduzenten Kurt Rittig vom Schicksal Anna Letenskas. Ihre Geschichte fesselte ihn. Im Zentrum stand der zynische Umgang der Nationalsozialisten mit der jungen Prager Schauspielerin, die in der „kriegswichtigen“ Komödie „Ich komme gleich“ um ihr Leben spielte.
Schon zu Beginn der Recherchen zeigte sich ARTE interessiert. Der Gedanke entstand, parallel zum Spielfilm eine Dokumentation zu produzieren. Gemeinsam mit der Autorin Anne Worst reiste Fred Breinersdorfer nach Tschechien, um Personen aus Andulas Umfeld zu interviewen, u.a. Jiři Letensky, Anna Letenskas Sohn, und Otakar Vavra, den Regisseur des Films „Ich komme gleich“, Schauspielkollegin Zita Kabatova und Ivan M. Havel, den Neffen des Filmtycoons Milos und Bruder des tschechischen Ex-Präsidenten Vaclav Havel.
Jetzt im Kino – nächstes Jahr im TV
Der Film ist eine Produktion von OTTONIA Media GmbH als ausführendem Produzenten, BRAWO Film GbR und Saxonia Media Filmproduktion GmbH in Koproduktion mit WDR und RBB in Zusammenarbeit mit ARTE, gefördert von der Mitteldeutschen Medienförderung (MDM) und dem Deutschen Filmförderfond (DFFF) mit einer Co-Finanzierung durch die DREFA Media Holding GmbH.
Kinostart von „ANDULA – Besuch in einem anderen Leben“ ist der 1. Oktober 2009. Die Fernsehfassung des Films mit dem Titel „Spiel ums Leben – Die Komödiantin und die Nazis“ wird im kommenden Jahr auf ARTE, im WDR und RBB zu sehen sein.
Pressemitteilung © OTTONIA Media GmbH 10/2009