August Horch – Ein Leben auf vier Rädern

Vor 107 Jahren brachte August Horch den Automobilbau nach Sachsen. Mit Horch und AUDI etablierte der Sohn eines Dorfschmieds zwei der erfolgreichsten deutschen Automarken auf dem Weltmarkt. Am Technikum Mittweida studierte er Maschinenbau und zählte zu den Besten seines Jahrgangs. Fünf Jahre nach erfolgreichem Abschluss besuchte er die Leipziger Pferderennbahn. Doch nicht die galoppierenden Vollblüter oder Wettgewinne interessierten ihn, sondern das erste serienreife Motorrad Deutschlands, dass in Leipzig-Scheibenholz präsentiert werden sollte. Dieses Ereignis wird zum „Schlüsselerlebnis“ für Horchs weitere Entwicklung. Für ihn steht nun fest, in den Fahrzeugbau zu wechseln – welch folgenreiche Entscheidung: 

August Horch (Ludwig Hollburg) ist einer der bekanntesten deutschen Autopioniere.

Dreh in Zwickau in der Horch-Villa, in dem Haus, in dem August Horch lebte.

Horch war seiner Zeit voraus. Seine Automobile gewannen unzählige Rennen.

Der technikbegeisterte Horch besaß selbst nie eine Fahrerlaubnis.

1909 kam Horch nach Zwickau und gründete die Firma Audi.

Horch gelang es trotz seiner genialen Erfindungen nie, das große Geld zu verdienen.

Horchs Frau Anneliese (Anne Schmidt) beim Sticken.

Horch-Darsteller Hollburg vor dem legendären Audi B, der 1911 das Alpenrennen gewann.

Hollburg vor dem Audi R8, der nicht mehr aus Horchs Feder stammt.

Horch sitzt über den Plänen seines letzten großen Werkes...

... des Panzers A7V.

Else Kolmar (gespielt von Juliane Gregori), Horchs Haushälterin und spätere Frau.

Letzte Vorbereitungen für eine Fahrtszene.

Hollburg macht eine gute Figur im Oldtimer.

Die beiden Horchdarsteller Ludwig Hollburg (li.) und Joachim Bergmann (re.) am Set.

Eines der legendären Horch-Fahrzeuge.

Der junge August Horch (Joachim Bergmann). Ein Gesicht, dass Euphorie ausstrahlt.

Kameramann André Böhm dreht eine Fahrtszene mit Anneliese Horch und Hund Rex.

August Horch wächst nach dem frühen Tod der Mutter alleine mit dem Vater auf.

Sein Vater ist der Dorfschmied.

Als er älter wird hilft er seinem Vater bei der Arbeit.

Horch plante eine automatisierte Hühnerfarm, jedoch ohne Erfolg (alle Bilder: Axel Berger)

Ludwig Hollburg als August Horch (Bild: Axel Berger)
Ludwig Hollburg als August Horch
Eines der faszinierenden Fahrzeuge Horchs (Bild: Axel Berger)
Eines der faszinierenden Fahrzeuge Horchs

Horch machte schließlich Zwickau zu einem Zentrum des Automobilbaus und feierte mit seinen Konstruktionen bei zahlreichen Rennen Triumphe. Während er von Erfolg zu Erfolg eilt, bleibt sein Eheleben auf der Strecke, seine Gattin rutscht allmählich in die Depression. Auch ein adoptiertes Geschwisterpaar vermag den Krankheitsverlauf nicht aufzuhalten.

Nach dem 2.Weltkrieg und 2 Jahre nach dem Tod seiner Frau Anneliese wird August Horch die 33 Jahre jüngere, ehemalige Haushälterin Else Kolmar heiraten. 1951 stirbt August Horch in Franken, 82jährig, als ein mittelloser Mann. Den Profit aus seinen mannigfachen Erfindungen zogen stets andere. Der geniale Tüftler konstruierte zwar Automobile, die seiner Zeit voraus waren, doch als Unternehmer blieb er rührend altbacken.

Horch interessierte das Produkt mehr als die Rendite, ein familiäres Betriebsklima mehr als Produktivitäts- kennziffern. Damit musste er im Jahrhundert der Vollautomatisierung, Massenproduktion und Monopolisierung zwangsläufig scheitern. Das war die große Tragik seines Lebens und es spricht für Horch, dass er es trotzdem locker nahm. Allen Rückschlägen zum Trotz blieb er eine rheinische Frohnatur, ein Stehaufmännchen, das sich nach jedem Niederschlag mit neuem Elan und neuen Ideen wieder hochrappelte.

Sendung:
23.08.09, MDR, 20:15 Uhr

Drehorte:
Winningen, Reichenbach, Zwickau, Mittweida, Leipzig

Die historische Persönlichkeit August Horch (1868-1951)

Joachim Bergmann als A. Horch (Horch-Museum Zwickau) (Bild: Axel Berger)
Joachim Bergmann als A. Horch (Horch-Museum Zwickau)
Die genialen Konstruktionen Horchs (Bild: Axel Berger)
Die genialen Konstruktionen Horchs
August Horch (re.) wird in jungen Jahren von seinem Vater im Schmiedehandwerk unterrichtet (Bild: Axel Berger)
August Horch (re.) wird in jungen Jahren von seinem Vater im Schmiedehandwerk unterrichtet

Geboren am 12. Oktober 1868 im Moseldörfchen Winningen, interessiert August Horch sich früh für alles Technische, beginnt eine Schmiedelehre und studiert nach Jahren der Wanderschaft Maschinenbau am Technikum Mittweida, um Ingenieur zu werden. Nachdem er von 1896 bis 1899 bei Benz in Mannheim angestellt ist, macht sich Horch 1899 selbstständig. Mit dem Tuchhändler Salli Herz gründet er in Köln-Ehrenfeld die Firma A. Horch & Cie, ein Jahr später ist der erste Wagen der Horch-Werke fahrbereit. Dann folgt der Umzug von Köln nach Reichenbach im Jahr 1902. Die Nachfrage steigt, die Belegschaft wächst und Horch möchte expandieren. Da das in Reichenbach nicht möglich ist, zieht es ihn 1904 nach Zwickau.

1909 entlässt der Vorstand der Horch-Werke AG ihren Technischen Leiter August Horch. Gemeinsam mit ehemaligen Mitarbeitern gründet der geschasste Firmengründer eine neue Firma, ebenfalls in Zwickau. Er nennt sie August Horch Automobilwerke GmbH. Doch Horch darf seinen eigenen Namen nicht noch einmal verwenden. Also heißt das neue Unternehmen „Audi“: lateinisch für „Horch!“.

Als der Erste Weltkrieg ausbricht, muss auf Kriegsproduktion umgerüstet werden. Die Audi-Werke bauen nun Minenwerfer und Panzerwagen für die Front. Horch wendet sich in dieser Zeit immer mehr vom Ingenieurs-Dasein ab; seine kreative Phase ist vorbei.

1920 wechselt er bei Audi vom Vorstand in den Aufsichtsrat und zieht nach Berlin, um für das Verkehrsministerium zu arbeiten.

Am 5. Oktober 1897 heiratet August Horch Anneliese Schultz, die er in Leipzig kennen gelernt hatte. 1917 adoptieren die Horchs die Waisen Eberhard und Liselotte. 1933 engagiert August Horch die ehemalige Berliner Konzertsängerin Else Kolmar als Haushälterin. 1948 heiratet August Horch „die tapfere Frau Else Kolmar, die seit langen Jahren meine treueste Mitarbeiterin ist, in uneigennütziger Weise meiner Frau und mir zur Seite steht und wie ein Kind in unserem Hause lebt.“

Neben der Autobranche versucht sich August Horch auch in anderen Geschäftsbereichen – mit bisweilen erheiternden Ergebnissen. 1929 gründet er auf dem Distelberger Hof in seiner Heimatstadt Winningen eine Hühnerfarm. Am Schluss bleiben ihm 30.000 RM Schulden. Er mag ein genialer Konstrukteur sein, als Unternehmer versagt er.

1937 erscheint seine Autobiografie „Ich baute Autos“. Horch wird von den Nazis als Beispiel urdeutschen Unternehmertums hofiert, aber er war nie aktiv am Nationalsozialismus beteiligt. Noch im hohen Alter beteiligt sich August Horch am Wiederaufbau der Auto-Union in Ingolstadt, dem heutigen Hauptsitz Audis. Er stirbt am 5. Februar 1951 in Münchberg mit den Worten: „Ich will leben, sind denn die Ärzte auch tüchtig?“. 

 

Bild: Axel Berger
Kameramann André Böhm dreht eine Fahrtszene mit Anneliese Horch und Hund Rex.

Der Kameramann: André Böhm

André Böhm, Jahrgang 1962, absolvierte das Studium zum Kameramann an der Hochschule für Film und Fernsehen „Konrad Wolf“ in Potsdam-Babelsberg. Nach erfolgreichem Abschluss arbeitete er beim DDR- Fernsehen. Seit 1992 ist er freiberuflich tätig und dreht vor allem Reportagen und Dokumentationen (u.a. „Bilderbuch Deutschland“ und „Legenden“) sowie für verschiedene Kulturmagazine. Seine aktuellen Produktionen sind eine 90minütige Dokumentation für Guido Knopp über Werner von Braun und Porträts über Thomas Quasthoff, Iris Berben und Kurt Masur in der ARD-Reihe „Deutschland, deine Künstler“.

Nach den Filmen über Friedrich August III. (2003), Otto von Bismarck (2004), Kunz von Kaufungen (2005), Walter Ulbricht (2006), Moritz Schreber (2007) und Martin Bormann (2008), ist dies nun seine siebte Dokumentation in der Reihe Zur Geschichte Mitteldeutschlands.

Der Autor und Regisseur: André Meier

André Meier wurde 1960 in Berlin geboren. Er studierte Kunstgeschichte und arbeitet seit 1992 als freier Autor für Presse, Rundfunk, Fernsehen und Theater. Er ist als Redakteur der Berliner Tageszeitung taz und als Korrespondent für die Kunstzeitschrift „Art“ in Hamburg tätig. 1999 publizierte er den Roman „Fixies“ (Aufbau-Verlag). 2008 „Die kleine Aussteigerfibel“ (Seitenstraßenverlag). 2009 folgte das Buch „Die Geburt des radikalen Islamismus aus dem Hüftspeck des deutschen Schlagers“ (Rowohlt-Verlag). André Meier ist Autor und Regisseur zahlreicher TV-Produktionen. So verfasste er u.a. die Drehbücher zu „Auch deutsche Kunst“ (ARD, 1992) „Abgehangen und vergessen, Kunst der DDR“ (WDR, ORB, 1996) „Soundtrack Ost – Musik und Macht in der DDR“, ARTE, 2004, „Liebte der Osten anders?“ (ARD, ARTE, 2006) oder „Das Mädchen und die Panzer“ (ARTE, 2009). Für die „Geschichte Mitteldeutschlands“ ist er seit 2001 regelmäßig als Autor und Regisseur tätig.

Der Fachberater: Jürgen Pönisch

Der studierte Maschinenbauingenieur ist seit 1990 als Historiker und Standortverantwortlicher im Horch Museum Zwickau beschäftigt. Seit 1986 hat er das komplette Museums- und Ausstellungsprojekt begleitet. Jürgen Pönisch hat eine ganz persönliche Beziehung zu August Horch. Urgroßvater und Großvater waren in den Horchwerken beschäftigt, seine Mutter wurde im Wohnhaus der Horchs geboren. Jürgen Pönisch hat zum 125. Geburtstag des Automobilbauers, 1993, eine erste Broschüre veröffentlicht. Es folgten im Jahr 2000 das Buch „100 Jahre Horch Automobile“, zum 50.Todestag „August Horch – Pionier der Kraftfahrt“. Zusammen mit Prof.Dr.Peter Kirchberg gab er das „Typenbuch der Horchmodelle“ heraus.

Die DarstellerInnen

Joachim Bergmann – August Horch (bis ca. 40 J.)
Ludwig Hollburg – August Horch (ab 40 J.)
Anne Schmidt – Anneliese Horch (bis Mitte 30)
Regine Hentschel – Anneliese Horch (ab Ende 30))
Juliane Gregori – Else Kolmar 

Das Projekt-Team

Autor: André Meier
Kamera: André Böhm
Kameraassistent: Carsten Fiebeler (bis 25.05.09), Sergej Korotkov
Licht: Dirk Zebunke/Mario Erdenberger
Kostüm: Manuela Samson
Maske: Nadine Ostafinski
Ausstattung: Silvia Fischer
Requisite: Frank Müller
Musik: Serjoscha Stüven
Schnitt: Andrea Kuschel
Aufnahmeleitung: Andy Rönicke

Recherchen: Daniela Leuchte
Producerin: Gabriele Reichelt
Redaktion: Winifred König
Leitung: Dr. Claudia Schreiner