Böttger und das Meißner Porzellan - Genialer Erfinder oder Betrüger?

Im Winter 1707 gelingt in Dresden ein echter Geniestreich: die Erfindung des europäischen Porzellans! Damit wird den Chinesen ihr uraltes Monopol entrissen und die Wirtschaft Europas revolutioniert. Doch bis heute scheint nicht klar, wer der Erfinder gewesen ist. War es der Goldmacher Böttger, sein Lehrmeister Tschirnhaus oder war alles ganz anders?

Im Barock steht Porzellan hoch im Kurs. Ganz Europa will das Geheimnis des weißen Goldes entschlüsseln. Doch noch immer kennen nur die Chinesen das Arkanum – die Formel zur Herstellung der edlen Keramik. In Italien, Frankreich, England und Holland arbeiten Spezialisten fieberhaft daran, die Abhängigkeit von China zu beenden.

Böttgers Erfindung erregte Aufmerksamkeit und brachte dem Kurfürsten eine Menge Geld.

Beim Apotheker Böttger geht es heiß her.

Böttger im Gespräch mit dem Kurfürsten.
Er stand oft kurz vor dem Galgen.

Durch die Erfindung des Porzellans wurde die Abhängigkeit von China aufgehoben.

Kurfürstliches Kaffetrinken mit Meißner Porzellan.

Michael Heuel ist August der Starke.

Peter Grätz dreht in der Kurfürstlichen Residenz. (alle Bilder: Filmausschnitte / MDR)

Böttgers Erfindung erregte Aufmerksamkeit und brachte dem Kurfürsten eine Menge Geld.(Bild: Filmausschnitt)
Böttgers Erfindung erregte Aufmerksamkeit und brachte dem Kurfürsten eine Menge Geld.
Beim Apotheker Böttger geht es heiß her.(Bild: Filmausschnitt)
Beim Apotheker Böttger geht es heiß her.

Doch gelingen wird es im kleinen Kurfürstentum Sachsen. Seit den 1680ern baut dort der Forscher und Leibniz-Freund Ehrenfried Walther von Tschirnhaus riesige Brennspiegel und erzeugt mit ihnen noch nie erreichte Temperaturen. Systematisch experimentiert er mit Tonerden und Silikaten. Schon um 1700 scheint Tschirnhaus der Lösung des Porzellan-Geheimnisses nahe zu sein.

Etwa zur selben Zeit ist der Apothekerlehrling Johann Friedrich Böttger auf der Flucht. Obwohl es ihm bei einem öffentlichen Experiment in Berlin „gelang“, Silber in Gold zu verwandeln, will er sich dem Befehl entziehen, für den Preußenkönig Gold zu machen. Zwar entkommt er den Preußen, landet aber bald im Gewahrsam der Sachsen und wird Goldmacher Augusts des Starken. Natürlich ohne Erfolg.

Doch der Alchimist ist clever und lange gelingt es ihm, den Kurfürsten hinzuhalten. Als Böttger der Untergang droht, ist Tschirnhaus seine Rettung. Der hatte August gerade überzeugt, lieber auf Porzellan zu setzen, als erfolglos den Stein der Weisen zu suchen. Das Vorhaben gelingt. Aber Tschirnhaus stirbt schon kurz darauf. Sein Grabstein rühmt ihn als Erfinder des Porzellans.

Doch kaum ist er unter der Erde, behauptet Böttger vor seinem fürstlichen Brötchengeber, er allein habe das Wunder vollbracht.

Sendung:
05.11.2006, 20.15 Uhr, MDR

Drehorte:
Dresden, Meißen, Schleiz, Festung Königstein,
Sławnikowice (Kieslingswalde, Polen)

Regisseur Hans-Michael Marten bei der Arbeit. (Bild: MDR)
Regisseur Hans-Michael Marten bei der Arbeit.

Der Regisseur: Hans-Michael Marten

Marten wurde 1959 geboren. Handwerklich begabt erlernte er den Beruf des Feinblechners und arbeitet als Theaterhandwerker am Leipziger Theater. Nach seinem Abitur studierte Hans-Michael Marten drei Semester an der Hochschule für Schauspielkunst „Ernst Busch“ in Rostock.1986 begann er ein Regiestudium an der Hochschule für Film und Fernsehen in Potsdam Babelsberg. Von 1987-1991 arbeitete Hans-Michael Marten als Regisseur für den Deutschen Fernsehfunk. Seit 1992 ist er freiberuflich als Regisseur und Autor tätig und nennt sich gern „Kulturarbeiter“. Unter seiner Ägide entstandene Filme sind u.a. „Europas Erbe – ein Kontinent im Spiegel der Geschichte“, 2004 und „Der Balaton“.

Für die „Geschichte Mitteldeutschlands“ zeichnete Hans-Michael Marten als Regisseur bereits verantwortlich für „Karl May – der Phantast aus Sachsen“, 2004.

Peter Grätz dreht in der Kurfürstlichen Residenz. (Bild: MDR)
Peter Grätz dreht in der Kurfürstlichen Residenz.

Der Kameramann: Peter Grätz

Peter Grätz wurde 1950 geboren. Er absolvierte sein Studium an der Hochschule für Film und Fernsehen "Konrad Wolf“ in Potsdam - Babelsberg und begann 1974 beim Fernsehen der DDR zu arbeiten. Seit 1992 ist er als freiberuflicher Kameramann und Steadycam Operator für Film und Fernsehen weltweit unterwegs. Seinen Ruf als „Bildermaler“ erarbeitete er sich bei zahlreichen Reportagen, Dokumentar – und Featureproduktionen, u.a. „Haus der Schamanen“ (Georeportage), „Wohnungen Gottes“ (3teilige ZDF – Reportage), „Süßer Traum Schokolade“ (Feature), „Leute gibt`s“ (6 Teile für MDR Unterhaltung).

Für die „Geschichte Mitteldeutschlands“ drehte er in den vergangenen Jahren die Dokumentationen über Hugo Junkers und Karl May.

Der Autor: André Meier

André Meier wurde 1960 in Berlin geboren. Er studierte Kunstgeschichte und arbeitet seit 1992 als freier Autor für Presse, Rundfunk, Fernsehen und Theater. Er ist als Redakteur der Tageszeitung (taz) in Berlin und als Korrespondent für die Kunstzeitschrift „Art“ in Hamburg tätig. 1999 publizierte er den Roman „Fixies“ (Aufbau-Verlag). 2008 „Die kleine Aussteigerfibel“ (Seitenstraßenverlag). 2009 folgte das Buch „Die Geburt des radikalen Islamismus aus dem Hüftspeck des deutschen Schlagers“ gemeinsam mit Jürgen Kuttner (Rowohlt-Verlag). André Meier ist Autor und Regisseur zahlreicher TV-Produktionen.

So verfasste er u. a. die Drehbücher zu „Auch deutsche Kunst“, ARD, 1992, „Abgehangen und vergessen, Kunst der DDR“, WDR, ORB, 1996, „Soundtrack Ost – Musik und Macht in der DDR“, ARTE, 2004, „Liebte der Osten anders?“, ARD, ARTE, 2006 oder „Das Mädchen und die Panzer“, ARTE, 2009. Für die „Geschichte Mitteldeutschlands“ ist er seit 2001 regelmäßig als Autor und Regisseur tätig. 

Der Fachberater: Dr. Mathias Ullmann

1960 in Halle geboren, studiert Mathias Ullmann von 1981 bis 1986 in Leipzig Afrikanistik und Geschichte. 1989 promoviert er zur Geschichte Westafrikas. 1992 bis 2003 arbeitet er bei der Sächsischen Akademie der Wissenschaften in Leipzig und leitet dort die Edition der Schriften von Ehrenfried Walther von Tschirnhaus. Seit 2004 arbeitet Mathias Ullmann als freiberuflicher Historiker, Afrikanist und Romanautor („Jonathans Lied brennt“) in Dresden.

Die DarstellerInnen

Stéphane Lalloz - Johann Friedrich Böttger
Thorsten Giese - Ehrenfried Walther von Tschirnhaus
Michael Heuel - August der Starke

Das Projekt-Team

Autor: André Meier
Regisseur: Hans-Michael Marten
Kamera: Peter Grätz
Kameraassistent: Andreas Hoberg

Licht: Mario Erdenberger
Kostüm: Heidrun Schwantge
Maske: Birgit Weitzmann
Ausstattung: Annette Braun
Requisite: Vinzent Wobeser
Musik: René Möckel
Fachberater: Dr. Mathias Ullmann

Aufnahmeleitung: Carina Pommrenke
Produktionsleitung: Volker Holeček
Producer: Steffen Jindra

Redaktion: Winifred König
Leitung: Claudia Schreiner