Die Dunkelgräfin von Hildburghausen – Marie Antoinettes vertauschte Tochter?

Am 7. Februar 1807 kommt in der thüringischen Residenzstadt Hildburghausen gegen Mitternacht ein eleganter Reisewagen an.

In den nächsten dreißig Jahren wird sich das Leben des Paares, das sich hier niederlässt, unter den Augen der Öffentlichkeit in menschen- scheuer, ja fast grotesker Geheimhaltung abspielen. Die vornehme Dame zeigt sich nie anders als verschleiert, und so brodelt seit 200 Jahren die Gerüchteküche:

Wer war die „Dunkelgräfin“ von Hildburghausen? Schon zu Lebzeiten des Paares macht immer wieder hartnäckig ein Gerücht die Runde:  

Frances und Patricia Arnold spielen die Kindheitsszenen.

Beim ungetrübten Spiel im Schlosspark.

Ein Sturz wird einstudiert.

Felicitas Breest als geheimnisvolle Dunkelgräfin.

Wenn die Komparsen Drehpause haben, verfolgen sie die Dreharbeiten am Monitor.

Ballenstedt liefert die perfekte Kulisse.

Felicitas Breest als geheimnisvolle Dunkelgräfin (Bild: DREFA.de)
Felicitas Breest als geheimnisvolle Dunkelgräfin
Frances und Patricia Arnold spielen die Kindheitsszenen (Bild: DREFA.de)
Frances und Patricia Arnold spielen die Kindheitsszenen

In Wahrheit sei sie Frankreichs letzte Königstochter, die nach dem Tod ihrer Eltern, Ludwig XVI. und Marie Antoinette, hier mit ihrem Beschützer Ruhe und Zuflucht fand, im Dunstkreis einer einflussreichen Jugendfreundin aus Thüringen, der Herzogin von Hildburghausen. Doch was ist dran an diesem Gerücht? Eigentlich lassen die offiziellen Geschichtsbücher keinen Spielraum für einen Zweifel:

Marie Therese Charlotte hatte nach der französischen Revolution von 1793 als Einzige der Familie überlebt. Nach ihrer Haftentlassung reiste sie zu den Habsburger Verwandten nach Wien, heiratete und wurde zur Herzogin von Angoulême. 1851 starb sie 73-jährig und wurde in der Bourbonengruft eines Franziskanerklosters im heutigen Slowenien beerdigt.

Aber war dieser Lebenslauf wirklich der des einst geschundenen Mädchens aus dem Pariser Gefängnis oder hat diese Rolle in der Weltgeschichte eine Andere übernommen? Und wenn, aus welchem Grund? Der Film will dem Rätsel der „Dunkelgräfin“ auf die Spur kommen, die bis heute nicht versiegenden Spekulationen abwägen, die der beschaulichen Szenerie in Hildburghausen eine Dimension von europäischer Bedeutung geben.

Der Film folgt authentischen Spuren, untersucht anhand von Indizien, Dokumenten, Für- und Gegenstimmen den Wahrheitsgehalt des „Rätsels von Hildburghausen“.

Sendung: 28.10.2007, 20.15 Uhr, MDR

Drehorte:
Schloss Ballenstedt (Harz), die Schlösser Hecklingen und Gänsefurth (bei Staßfurt), Paris, Versailles, Hüningen (bei Basel), Ingelfingen, Hildburg- hausen, Meiningen, Eishausen

Der historische Hintergrund der „Dunkelgräfin“ (gestorben 1837)

Ballenstedt liefert die perfekte Kulisse (Bild: DREFA.de)
Ballenstedt liefert die perfekte Kulisse

Am 7. Februar 1807 kommt im thüringischen Hildburghausen ein geheimnisvolles, herrschaftliches Paar an, das Quartier im „Gasthaus zum Englischen Hof“ nimmt.

Schon kurz nach der Ankunft des geheimnisvollen Paares in Hildburghausen kursieren Gerüchte, dass die „Dunkelgräfin“ niemand anderes ist, als die französische Prinzessin Marie Thérèse Charlotte. Vor ihrer Übergabe an die Österreicher im Dezember 1795 sei sie gegen eine andere Frau ausgetauscht worden. 

Am 25. November 1837 stirbt die „Dunkelgräfin“. Ihr Grab befindet sich am Schulersberg, dem heutigen Stadtberg, in Hildburghausen, wo sie in einer kleinen Villa ihre letzten Jahre zugebracht hatte. Für den Sterbeeintrag im Kirchenbuch hat ihr Gefährte angegeben: „Sophia Botta, ledig, bürgerlichen Standes, aus Westfalen, 58 Jahre alt.“

Der Regisseur und Autor: Hans-Michael Marten

Marten wurde 1959 geboren. Handwerklich begabt erlernte er den Beruf des Feinblechners und arbeitet als Theaterhandwerker am Leipziger Theater. Nach seinem Abitur studierte Hans-Michael Marten drei Semester an der Hochschule für Schauspielkunst „Ernst Busch“ in Rostock.1986 begann er ein Regiestudium an der Hochschule für Film und Fernsehen in Potsdam Babelsberg. Von 1987-1991 arbeitete Hans-Michael Marten als Regisseur für den Deutschen Fernsehfunk. Seit 1992 ist er freiberuflich als Regisseur und Autor tätig und nennt sich gern „Kulturarbeiter“. Unter seiner Ägide entstandene Filme sind u.a. „Europas Erbe – ein Kontinent im Spiegel der Geschichte“, 2004 und „Der Balaton“.

Für die „Geschichte Mitteldeutsch- lands“ zeichnete Hans-Michael Marten als Regisseur bereits verantwortlich für „Karl May – der Phantast aus Sachsen“, 2004.

Der Kameramann: Peter Grätz

Peter Grätz wurde 1950 geboren. Er absolvierte sein Studium an der Hochschule für Film und Fernsehen "Konrad Wolf“ in Potsdam - Babelsberg und begann 1974 beim Fernsehen der DDR zu arbeiten. Seit 1992 ist er als freiberuflicher Kameramann und Steadycam Operator für Film und Fernsehen weltweit unterwegs. Seinen Ruf als „Bildermaler“ erarbeitete er sich bei zahlreichen Reportagen, Dokumentar – und Featureproduktionen, u.a. „Haus der Schamanen“ (Georeportage), „Wohnungen Gottes“ (3teilige ZDF – Reportage), „Süßer Traum Schokolade“ (Feature), „Leute gibt`s“ (6 Teile für MDR Unterhaltung).

Für die „Geschichte Mitteldeutschlands“ drehte er in den vergangenen Jahren die Dokumentationen über Hugo Junkers, Karl May sowie Johann Friedrich Böttger. 

Der Fachberater: Michel Kerautret

Geboren ist Michel Kerautret 1949 in Paris. Nach seinem Studium an der École Normale Supérieure (Paris) und an den Universitäten Lyon, Paris-Sorbonne sowie Aix-en-Provence hat der Fachberater eine Stelle als Lehrer am Französischen Gymnasium in Berlin übernommen. Später ist Michel Kerautret an der École Pratique des Hautes études (Paris-Sorbonne) tätig gewesen.

Seine Forschungsschwerpunkte legt Michel Kerautret auf die preußisch-französischen Beziehungen im 18. und 19. Jh. sowie die internationalen Beziehungen in der Napoleonzeit. Bereits erschienene Bücher des Autors sind „Les traités du Consolat et de l’empire“, 3 Bde., 2002-2004 und „Histoire de la Pruisse“, 2005.

Die DarstellerInnen

Hanka Mark - Prinzessin Marie Thérèse Charlotte
Felicitas Breest - Dunkelgräfin
Henry Arnold - Dunkelgraf
Anne Hoffmann - Madame de Chanterrenne 

Das Projekt-Team

Autorin: Leonore Brandt
Regisseur: Hans-Michael Marten
Kamera: Peter Grätz
Kamera-Assistenz: Sergej Korotkov
Licht: Mario Erdenberger
Kostüm: Annette Braun
Maske: Nadine Tschöpe
Ausstattung: Friederike Meintke
Requisite: Hartmut Behder
Musik: René Möckel
Fachberater: Michel Kerautret
           
Aufnahmeleitung: Carina Pommrenke
Produktionsleitung: Volker Holeček
Producer: Steffen Jindra
Redaktion: Winifred König
Leitung: Claudia Schreiner