Die „Geschichte Mitteldeutschlands“ startet den Versuch, das Leben von Thälmann ganz unvoreingenommen zu erzählen, auf Basis aller Quellen, die seit der Öffnung von Berliner und Moskauer Parteiarchiven wieder zugänglich sind, Dokumente die lange streng unter Verschluss gehalten wurden, weil sie nicht zur Legende passten. Zutage treten die verschlungenen Lebenspfade eines Menschen, der bedeutendes leistete, aber auch viele Fehler beging, von denen einige sehr schwer wiegen. Es geht darum, dem Menschen und Politiker Thälmann gerecht zu werden, ihn als Kind seiner Zeit wahrzunehmen und sein Leben filmisch nachzuzeichnen.
Während Ernst Thälmann in der Nazi-Haft schmort, macht Stalin, sein Herr und Meister, keinen Finger für ihn krumm. Vergeblich schreibt Thälmanns Ehefrau Rosa Briefe nach Moskau und bettelt um Hilfe. Für Stalin hat der Mohr seine Schuldigkeit getan. Auf seinen ausdrücklichen Wunsch ist Thälmann 1925 zum Vorsitzenden der KPD aufgerückt. Zwar ist er verschrien als grobschlächtiger Schreihals und linker Rabauke ohne Geist und Verstand, doch die Arbeiter lieben ihren „Teddy“. Denn Thälmann ist einer von ihnen. Und Stalin ist er treu ergeben. So hilft ihm der Diktator 1928 auch aus der Patsche, als Thälmann über eine Korruptionsaffäre stolpert und vor dem politischen Bankrott steht. Der dankt es und macht die KPD endgültig zu einer Truppe von Moskaus Erfüllungsgehilfen. Ein Drama für die deutsche Geschichte, denn ganz in Stalins Sinn gilt der Kampf der KPD nur noch den Sozialdemokraten und „Feinden“ in den eigenen Reihen. Wie sehr Thälmann die Nazis unterschätzt, merkt er erst, als er 1933 in Berlin von der Polizei verhaftet wird – übrigens in der Wohnung seiner Geliebten.
War Thälmann wirklich nur eine willenlose Marionette im Intrigenspiel des Jossif Stalin oder war er doch der große Arbeiterführer und heldenmütige Kämpfer gegen den Faschismus, wie es viele bis heute glauben? Die „Geschichte Mitteldeutschlands“ geht auf Spurensuche.
Sendung: 13.09.2009, MDR, 20:15 Uhr
Drehorte:
- Hamburg (ehm. Wohnhaus der Fam. Thälmann in der Tarpenbekstraße)
- Berlin (Ernst Thälmann Denkmal – Prenzlauer Park, JVA Moabit, Lützwostraße – Wohnhaus der Geliebten Martha Kluczynski, Gedenkstätte Ziegenhals)
- Buchenwald (Gedenkstätte KZ Buchenwald)
- Bautzen (JVA Bautzen – „Gelbes Elend“)
- Leipzig (ehm. Parkkrankenhaus Dölitz/Dösen, ehm. JVA Leipzig, Arndtstraße, Leipziger Baumwollspinnerei