Ernst Thälmann - Wie er wirklich war

KZ Buchenwald, 17. August 1944. Gegen Mitternacht passiert eine schwarze Limousine das Lagertor. Aus dem Auto steigen drei Gestalten in Ledermänteln und ein vierter Mann. Zusammen mit SS-Leuten verschwinden die Ankömmlinge im Keller des Krematoriums. Kurz darauf fallen Schüsse. Beim Hinausgehen sagt einer: „Das war der Kommunistenführer Thälmann.“ Drei Tage zuvor war Heinrich Himmler zum Rapport bei Hitler in der Wolfsschanze erschienen. Als letzten Punkt kritzelte er auf seinen Merkzettel: „Thälmann ist zu exekutieren.“ 

In der DDR war Thälmanns Leben Legende und wie bei einer „echten“ Heiligenlegende ist nicht alles falsch, was geschrieben steht.  

Thälmann schaffte es vom ungelernten Kutscher zum Vorsitzenden der KPD.

Stephanie Petrowitz spielt Thälmanns Frau Rosa.

Familienversammlung bei den Thälmanns. Die Nazis ergriffen soeben die Macht.

Thälmann reiste viel. Als KPD-Vorsitzender musste er regelmäßig in Moskau erscheinen.

Thälmann und Ruth Fischer (Eva Mende). Hier wird er zum Führer der KPD ernannt.

„Teddy“, wie er von seinen Genossen genannt wird, steht zu seiner Partei.

Am 3. März 1933 fliegt Thälmanns Versteck auf. Er wird verhaftet.

Doch vorher verabschiedet er sich von der Familie, die ihn versteckte.

Thälmann ist an der Planung des Hamburger KPD-Aufstands maßgeblich beteiligt.

Sie trafen sich verkleidet und an abgelegenen Orten.

Obwohl die KPD-Führung die Revolution noch stoppt, startet in Hamburg ein Aufstand.

Der Aufstand scheitert. Über 100 Menschen sterben, meist Unschuldige.

Während der gesamten Dreharbeiten stand Till Ludwig hinter der Kamera.

Stefan Bergel mit Stephanie Petrowitz kostümiert in der Drehpause.

Thälmann zeigt das Geschenk für Tochter Irma: Eine echte russische Pionieruniform.

Die 14-Jährige Irma präsentiert sie stolz.

Hier wird gerade das Set vorbereitet. Gefilmt wird der Anschlag auf Thälmanns Wohnung.

Lodernde Flammen schlagen nach dem Vorfall aus dem Haus.

Diese Szene zeigt Thälmann während seiner Zeit als Kutscher in Hamburg.

Seit 1903 ist Thälmann SPD-Mitglied.

Drehvorbereitungen mit Stefan Bergel in einem Leipziger Hinterhof.

Thälmanns spätere Frau Rosa arbeitete als Wäscherin. (alle Bilder: Michael Schöne)

Ernst Thälmann arbeitete als Kutscher in Hamburg (Bild: Michael Schöne)
Ernst Thälmann arbeitete als Kutscher in Hamburg
Letzte Vorbereitungen zum Dreh (Bild: Michael Schöne)
Letzte Vorbereitungen zum Dreh
Ernst Thälmann wird verhaftet und abgeführt (Bild: Michael Schöne)
Ernst Thälmann wird verhaftet und abgeführt

Die „Geschichte Mitteldeutschlands“ startet den Versuch, das Leben von Thälmann ganz unvoreingenommen zu erzählen, auf Basis aller Quellen, die seit der Öffnung von Berliner und Moskauer Parteiarchiven wieder zugänglich sind, Dokumente die lange streng unter Verschluss gehalten wurden, weil sie nicht zur Legende passten. Zutage treten die verschlungenen Lebenspfade eines Menschen, der bedeutendes leistete, aber auch viele Fehler beging, von denen einige sehr schwer wiegen. Es geht darum, dem Menschen und Politiker Thälmann gerecht zu werden, ihn als Kind seiner Zeit wahrzunehmen und sein Leben filmisch nachzuzeichnen.

Während Ernst Thälmann in der Nazi-Haft schmort, macht Stalin, sein Herr und Meister, keinen Finger für ihn krumm. Vergeblich schreibt Thälmanns Ehefrau Rosa Briefe nach Moskau und bettelt um Hilfe. Für Stalin hat der Mohr seine Schuldigkeit getan. Auf seinen ausdrücklichen Wunsch ist Thälmann 1925 zum Vorsitzenden der KPD aufgerückt. Zwar ist er verschrien als grobschlächtiger Schreihals und linker Rabauke ohne Geist und Verstand, doch die Arbeiter lieben ihren „Teddy“. Denn Thälmann ist einer von ihnen. Und Stalin ist er treu ergeben. So hilft ihm der Diktator 1928 auch aus der Patsche, als Thälmann über eine Korruptionsaffäre stolpert und vor dem politischen Bankrott steht. Der dankt es und macht die KPD endgültig zu einer Truppe von Moskaus Erfüllungsgehilfen. Ein Drama für die deutsche Geschichte, denn ganz in Stalins Sinn gilt der Kampf der KPD nur noch den Sozialdemokraten und „Feinden“ in den eigenen Reihen. Wie sehr Thälmann die Nazis unterschätzt, merkt er erst, als er 1933 in Berlin von der Polizei verhaftet wird – übrigens in der Wohnung seiner Geliebten.

War Thälmann wirklich nur eine willenlose Marionette im Intrigenspiel des Jossif Stalin oder war er doch der große Arbeiterführer und heldenmütige Kämpfer gegen den Faschismus, wie es viele bis heute glauben? Die „Geschichte Mitteldeutschlands“ geht auf Spurensuche.


Sendung:
13.09.2009, MDR, 20:15 Uhr

Drehorte:

  • Hamburg (ehm. Wohnhaus der Fam. Thälmann in der Tarpenbekstraße)
  • Berlin (Ernst Thälmann Denkmal – Prenzlauer Park, JVA Moabit, Lützwostraße – Wohnhaus der Geliebten Martha Kluczynski, Gedenkstätte Ziegenhals)
  • Buchenwald (Gedenkstätte KZ Buchenwald)
  • Bautzen (JVA Bautzen – „Gelbes Elend“)
  • Leipzig (ehm. Parkkrankenhaus Dölitz/Dösen, ehm. JVA Leipzig, Arndtstraße, Leipziger Baumwollspinnerei

Die historische Persönlichkeit Ernst Fritz Johannes Thälmann (1886-1944)

Simon Werner verkörpert Ernst Thälmann (Bild: Michael Schöne)
Simon Werner verkörpert Ernst Thälmann
Thälmann (re.) und ein Komplize planen den Aufstand (Bild: Michael Schöne)
Thälmann (re.) und ein Komplize planen den Aufstand

Ernst Fritz Johannes Thälmann wird am 16. April 1886 als Sohn von Maria und Jan Thälmann in Hamburg geboren.

Als er siebzehn Jahre alt ist, wird er Mitglied der SPD. Dort vertritt er den linken Flügel der SPD und verinnerlicht das „Kommunistische Manifest“ von Karl Marx. 1910 beginnt Ernst Thälmann als Kutscher in der Hamburger Großwäscherei „Frauenlob“ zu arbeiten. Hier lernt er die Plätterin Rosa Koch kennen, die er 1915 heiratet.

Während des Ersten Weltkriegs kämpft er als Soldat an der Westfront. Obwohl er mehrfach verwundet wird, ist er zu keinem Zeitpunkt ein aktiver Gegner des Krieges.

Nachdem er aus dem geschlagenen, sich auflösenden kaiserlichen Heer 1918 desertiert, tritt Thälmann der USPD bei. Er wird Mitglied des Arbeiter- und Soldatenrates in seiner Heimatstadt. Neben seiner Mitgliedschaft in der Hamburger Bürgerschaft ist er zuweilen auch Angestellter beim Arbeitsamt und hauptamtlicher Sekretär der Hansestadt.

Das Image eines engagierten linken Politikers mit kommunal- und sozialpolitischem Profil macht ihn beliebt in Hamburg. 1919 wird seine Tochter Irma Thälmann geboren. 1920 ist er beteiligt an der Überführung des linken Flügels der USPD in die viel kleinere KPD. Die Parteien vereinigen sich unter dem Namen VKPD. 

Im August 1944 überführen Gestapo-Beamte Thälmann aus dem Zuchthaus Bautzen ins KZ Buchenwald. Thälmann wird noch im selben Jahr auf direkten Befehl Adolf Hitlers erschossen.


 

Till Ludwig – alles im Blick (Bild: Michael Schöne)
Till Ludwig – alles im Blick

Der Kameramann: Till Ludwig

Der Kameramann und Produzent Till Ludwig ist in Mitteldeutschland geboren und in Berlin aufgewachsen.

Er ist lange als Kameramann für Spezialaufnahmen im Fernsehen der DDR tätig. 1992 gründet er seine eigene Produktionsfirma. Bevorzugt beschäftigt er sich mit Themen wie Geschichte, Architektur und Porträts. So war er an Filmen, wie "Hoffnung, ein deutscher Winterstern" oder "Die zwei Leben des Dr. Fischer" beteiligt.

Im Rahmen der „Geschichte Mitteldeutschlands“ arbeitete er als Kamera- mann unter anderem bereits für den Film "Otto, der Große".



Der Autor: Steffen Jindra

1969 in Görlitz geboren, studiert Steffen Jindra in Berlin und Leipzig Geschichte. Nach Abschluss des Studiums kommt er 1997 zum Team der „Geschichte Mitteldeutschlands“, wo er seit 2000 vorwiegend als Producer arbeitet. 

Als Autor schrieb er die Buchvorlagen für mehrere Filme der „Geschichte Mitteldeutschlands“ (u.a. „Radegunde“, 2003 und „Konrad von Wettin“, 2005) und die MDR-Dokumentation „Das Schicksal von Schloss Schwarzburg“, 2007. Außerdem arbeitet er als Autor für das MDR-Geschichtsmagazin „Barbarossa“. 

Die DarstellerInnen

Simon Werner – Ernst Thälmann
Stefan Bergel – Ernst Thälmann
Stephanie Petrowitz – Rosa Thälmann
Eva Mende – Ruth Fischer
Ulrike Christoph – Martha Kluczynski 

Das Projekt-Team

Autor: Steffen Jindra 
Regie: Michael Erler
Kamera: Till Ludwig
Kameraassistent: Sergej Korotkov
Licht: Benjamin Erdenberger
Kostüm: Sonja Hesse
Maske: Nadine Ostafinski, Nadja Fröhlich
Ausstattung: Vinzent Wobeser
Musik: Kai Saffran
Schnitt: Thomas Kleinwächter
Fachberater: Dr. Norman LaPorte
Aufnahmeleitung: Katrin Löffelmann

Recherchen: Christian Wampfler
Producer: Tilo Gläßer
Redaktion: Winifred König
Leitung: Claudia Schreiner