Lange gesucht
Regisseur Lew Hohmann erklärt die nächste Einstellung. Felix Graf Luckner (Marlin von Wick) soll mit seiner Tochter Inga-Maria (Jana Horst) tanzen und ein wenig das Kleid lupfen. Auf dem Tisch stehen eine Kerze und ein Schälchen mit Kaviar. Von Wick hat sichtlich Spaß an der Szene. Seine blauen Augen strahlen, als er seiner jungen Kollegin den Löffel mit Kaviar zum Mund führt. Der Bauch wölbt sich unter der Weste. Er erinnert ein wenig an Curd Jürgens. Der 57-Jährige mit dem tiefen Bass passt haargenau auf Luckner. „Wir haben lange nach einem geeigneten Darsteller gesucht“, sagt Winifred König, die als Projektleiterin bei der OTTONIA die Reihe „Geschichte Mitteldeutschlands“ betreut.
Sprung in die Saale
Zwei Stunden später. Die Sonne steht schon tief über der Saale. Am Rive-Ufer ist alles bereit. Länger will Kameramann André Böhm nicht warten. Die Sonne steht schon tief. Regisseur Lew Hohmann gibt Johannes Wrubel das Zeichen. „Hilfe, hilfe“ dringt es ans Ufer. Ein Paar schlendert vorbei, bleibt stehen. Der Mann drückt seiner Begleiterin einen schnellen Kuss auf den Mund. Springt die Treppen zur kleinen Anlegestelle hinunter und stürzt sich kopfüber in die Fluten der Saale. Ein paar Minuten später zieht Michael Pink (spielt den jüngeren Felix Graf Luckner) Johannes Wrubel (spielt den Ertrinkenden) ans Ufer. Wortreich erzählt dieser den Passanten seine Rettungstat. Wrubel macht gerade ein Praktikum bei der OTTONIA. „Ich will das Mediengeschäft von der Pike auf lernen.“ Ohne zu klagen geht der Student aus Magdeburg auch noch ein zweites Mal ins Wasser.
Wechselhaftes Leben
Regisseur und Autor Lew Hohmann ist in Halle aufgewachsen und kennt die Geschichte Luckners. Bei Luckner vermischen sich Dichtung und Wahrheit so stark, dass es fast unmöglich ist, historische Daten mit letzter Sicherheit zu belegen. In der DDR wurde über den Adeligen zwar der Mantel des Schweigens gedeckt, aus den Köpfen der Menschen verschwand er dennoch nicht. „Mein Großvater hatte ein Buch von Luckner“, erinnert sich der Regisseur. Das Buch „Der Seeteufel. Die Abenteuer von Felix Graf Luckner“ kommt auch kurz im Film vor.
An einem hat Lew Hohmann aber keinen Zweifel. „Luckner war ein Mann, der keine Angst hatte.“ Er war aber auch ein Opportunist, der alles versuchte, um seine Ziele zu erreichen. Auch das erzählt der Film.
Die Geschichte
Die meisten Spielszenen für den 52. Film der Reihe „Geschichte Mitteldeutschlands“ drehte die OTTONIA in Halle. Hier verbrachte Luckner wichtige Jahre seines Lebens. Und rettete die Stadt in den letzten Kriegstagen im April 1945 vor der Zerstörung durch die heranrückenden amerikanischen Truppen. Das steht auch für Regisseur Lew Hohmann fest. Luckner habe den größten Anteil an der Befreiung von Halle sagt er. Mit den Amerikanern handelt er die Kapitulation aus und bewahrt die Stadt vor einem Inferno wie in Berlin. Nach dem gelungenen Coup feiert sich Luckner international als „Retter von Halle“. Zu dieser Zeit ist er 64 Jahre alt und arbeitet mit aller Kraft an der Neubelebung seiner eigenen Legende – der Legende vom Haudegen, Abenteurer und beliebten Volkshelden.
Der Film „Felix Graf Luckner – Der Retter von Halle“ wird am 9. November um 20.15 Uhr im MDR gesendet.
Pressemitteilung © OTTONIA Media GmbH 09/2008