Felix Graf Luckner – der Retter von Halle

April 1945. Der Vormarsch der Alliierten ist nicht mehr aufzuhalten. Trotzdem befiehlt Hitler die „Verteidigung bis zum letzten Mann“, auch für Halle. Vor der Stadt lagern die „Timberwölfe“, die Soldaten der 104. US-Division, und warten auf den Befehl zum Flächen- bombardement. Da trifft eine kleine Hallenser Abordnung unter der Führung von Felix Graf Luckner im Quartier der Amerikaner ein. Durch geschickte Verhandlungen verhindert Luckner, dass Halle ein Inferno wie Berlin erlebt. Friedlich wird die Stadt den US-Truppen übergeben. Nach dem gelungenen Coup feiert sich Luckner international als „Retter von Halle“. Zu dieser Zeit ist er 64 Jahre alt und arbeitet mit aller Kraft an der Neubelebung seiner eigenen Legende – der Legende vom Haudegen, Abenteurer und beliebten Volkshelden, der Legende vom „Seeteufel“ Luckner. 

Felix Graf Luckner (Marlin von Wick) füttert seine Tochter mit Kaviar.

Regisseur Lew Hohmann im Gespräch mit den Schauspielern.

Luckner beim Spazierengehen in jungen Jahren.

Der junge Luckner rettet einen Ertrinkenden aus der Saale.

Die beiden Lucknerdarsteller Marlin von Wick und Michael Pink posieren für die Presse

Luckner-Darsteller Marlin von Wick und Filmtochter Inga-Maria (Jana Horst) (Bild: OTTONIA Media GmbH)
Luckner-Darsteller Marlin von Wick und Filmtochter Inga-Maria (Jana Horst)
Luckner – "alt" und "jung" (M. v. Wick, li., M. Pink) (Bild: OTTONIA Media GmbH)
Luckner – "alt" und "jung" (M. v. Wick, li., M. Pink)

Am 9. Juni 1881 wird Felix als adeliger Sohn auf dem Gut Pennrich bei Dresden geboren: Schon mit 16 Jahren geht er zur Marine und bringt es vom Schiffsjungen zum Kapitän der deutschen Kaiserlichen Marine. Zu Ruhm und dem Namen „Seeteufel“ gelangt Luckner im Ersten Weltkrieg als Kommandant des motorisierten Seglers „Seeadler“. Im Kaperkrieg durchbricht er 1916 die englische Seeblockade in der Nordsee und schafft es, insgesamt sechzehn feindliche Schiffe aufzubringen – in alter Piratenmanier unter falscher Flagge und mit gefälschten Schiffspapieren. Sein ritterlicher Umgang mit den Kriegsgefangenen verschafft ihm Respekt und Anerkennung unter Freunden und Feinden. Nach dem Ersten Weltkrieg geht Luckner auf Vortragsreisen in die ganze Welt. Ohne Skrupel spinnt er in seine Geschichten kräftig Seemannsgarn. 1920 erscheint sein erstes Buch unter dem Titel „Seeteufel, Abenteuer aus meinem Leben“. Kapitän zur See Felix von Luckner wird „Luckner, der Seeteufel“, und avanciert zum Helden einer ganzen Generation.

„Geschichte Mitteldeutschlands“ fragt: War Luckner wirklich der Volksheld, als der er sich darstellte, oder nur ein geltungssüchtiger Aufschneider, der sich mit fremden Lorbeeren schmückte? Wir drehen an authentischen Orten, so in Luckners Geburtsstadt Dresden. Wir haben Zeitzeugen gefunden, die Luckner noch persönlich kannten und in Archiven noch unveröffentlichte, spektakuläre Dokumente gefunden. Ganz bewusst haben wir Halle für den Dreh von Spielszenen gewählt. Dort hat Luckner einen wichtigen Teil seines Lebens verbracht und es ist auch der historische Ort der Rahmenhandlung des Films.


Sendung:
9. November 2008, 20:15 Uhr, MDR 

Drehorte: Koblenz, Freiburg, Halle, Dresden, Wismar, Halle


Die historische Persönlichkeit Felix Graf von Luckner (1881-1966)

Der junge Luckner (Michael Pink) beim Spaziergang (Bild: OTTONIA Media GmbH)
Der junge Luckner (Michael Pink) beim Spaziergang

Luckner, am 9. Juni 1881 in Altfranken bei Dresden geboren, wächst in Halle auf. Mit 16 reißt er von zu Hause aus, um zur See zu fahren. In 10 Jahren schafft er es vom Schiffsjungen zum Kapitän der Kaiserlichen Marine. Im Ersten Weltkrieg kapert er im Auftrag des Kaisers feindliche Schiffe.

1920 erscheint sein erstes Buch: „Seeteufel, Abenteuer aus meinem Leben“. Er stellt sich auch mit den Nazis gut, nutzt jedoch seine als Propagandareise für Deutschland angelegte Fahrt in die USA größtenteils für seine eigenen Zwecke. Als die Nazis dahinterkommen, erhält Luckner Auftrittsverbot. Seine Bücher werden verboten und er zieht sich 1940 nach Halle zurück und taucht erst 1945 wieder auf. Durch seine Kontakte zu den Amerikanern wird die Zerstörung von Halle verhindert.

Am 13. April 1966 verstirbt Felix Graf von Luckner in Malmö.

 

Kameramann André Böhm dreht die nächste Einstellung (Bild: Axel Berger)
Kameramann André Böhm dreht die nächste Einstellung

Der Kameramann: André Böhm

André Böhm, Jahrgang 1962, absolvierte das Studium zum Kameramann in Potsdam-Babelsberg. Nach erfolgreichem Abschluss, arbeitete er beim DDR-Fernsehen. Seit 1992 ist er freiberuflich tätig und dreht vor allem Reportagen und Dokumentationen (u.a. „Bilderbuch Deutschland“, „Legenden“) sowie für verschiedene Kulturmagazine, wie den „Kulturreport“ und „aspekte“. Im Jahre 2006 drehte er u.a. für das ZDF eine Biografie über Heinz Rühmann und eine dreiteilige Geschichtsdokumentation über die deutsche Wehrmacht.

Nach den Filmen über Otto von Bismarck (2004), Kunz von Kaufungen (2005), Walter Ulbricht (2006) und dem im vergangenen Jahr ausgestrahlten Film über Moritz Schreber ist dies nun seine sechste Dokumentation in der Reihe „Geschichte Mitteldeutschlands“.

Autor Lew Hohmann (li.) bespricht letzte Einzelheiten (Bild: OTTONIA Media GmbH)
Autor Lew Hohmann (li.) bespricht letzte Einzelheiten

Der Autor und Regisseur: Lew Hohmann

Der Filmemacher wurde 1944 in Schmiedeberg, im heutigen polnischen Riesengebirge geboren. Nach der Schule studierte er Regie an der Filmhochschule Potsdam-Babelsberg. Fast 20 Jahre arbeitete er als Autor und Regisseur im DEFA-Dokumentarfilmstudio. Von 1991 bis 1997 entwickelte Lew Hohmann als Geschäftsführer und Produzent der Filmproduktion „Tele Potsdam“ mehrere TV-Formate.

Heute ist er freier Filmemacher, Professor an der Hochschule Anhalt, Sachbuch- und Webautor. Er hat insgesamt etwa 50 Filme gedreht.

Seit 2003 arbeitet er für „Geschichte Mitteldeutschlands“. Für sein Werk wurde er mehrmals für den Grimme - Preis nominiert.


Der Fachberater: Norbert von Frankenstein

Norbert von Frankenstein, 1943 in Berlin geboren, verbrachte seine Jugendjahre in Hamburg und in den USA, wo er studierte. Seine journalistische Karriere begann bei einer großen Tageszeitung, führte über Zeitungen, Presseagenturen zu Fachzeitschriften, für die er viele Jahre als Chefredakteur tätig war. Der heute freischaffende Publizist widmet sich bevorzugt Themen mit historischem und zeitgeschichtlichem Hintergrund. Er veröffentlichte 1997 das Buch „’Seeteufel’ Felix Graf Luckner - Wahrheit und Legende“ und war damit einer der ersten, der sich kritisch mit Luckner auseinandergesetzt hat.

Die DarstellerInnen

Marlin von Wick – Felix Graf Luckner (III, 1926-1945)
Michael Pink – Felix Graf Luckner (II, 1901-1924)
Marcel Franke – Felix Graf Luckner (I, 1890-1897)
Anna Hopperdietz – Ingeborg von Luckner
Matthias Otte – General Terry Allen
Jana Horst – Inga-Maria Schulz 

Das Projekt-Team

Autor: Lew Hohmann
Kamera: André Böhm
Kamera-Assistenz: Andreas Hoberg (Dokudreh), Sergej Korotkov (Spieldreh)
Licht: Dirk Zebunke
Kostüm: Manuela Samson
Maske: Nadine Ostafinski
Ausstattung: Frank Dietz
Musik: Michael Hartmann
Schnitt: Daniel König
Fachberater: Norbert von Frankenstein

1. Aufnahmeleiter: Tilo Gläßer
Aufnahmeleitung: Katrin Löffelmann
Producer: Steffen Jindra
Redaktion: Winifred König
Leitung: Claudia Schreiner