Fritz Sauckel – Hitlers Mann in Thüringen

„Nie in meinem Leben war ich für Willkür oder Gewaltakte veranlagt“, steht auf dem Blatt Papier, das vor Fritz Sauckel liegt. Er sitzt in einer Zelle des Nürnberger Militärgefängnisses und schreibt seine Lebenserinnerungen nieder. Es ist ein verzweifelter Versuch, der Verurteilung zu entgehen. Es wird ihm nichts nutzen: Sauckel wird im Morgengrauen des 16. Oktober 1946 gehängt werden.

Der amerikanische Hauptankläger im Nürnberger Kriegsverbrecher- prozess, Robert H. Jackson, hatte Hitlers „Generalbevollmächtigten für den Arbeitseinsatz in Deutschland“, der seit 1942 verantwortlich für die Verschleppung und Ausbeutung von Millionen Menschen in den besetzten Gebieten war, als „den größten und grausamsten Sklavenhalter seit den ägyptischen Pharaonen“ bezeichnet. 

Der Sohn eines Kleinstadtbriefträgers schafft es nicht nur in Thüringen nach ganz oben.

Als SA-Mann beginnt er, aufsteigen wird er bis zum NSDAP-Gauleiter.

Thomas Mai als Sauckel und Olaf Hais als Martin Bormann in der Drehpause.

Bormann (re.) und Sauckel (li.) auf Achse.

Regisseur Dirk Otto (Mitte) im Gepräch mit den Darstellern.

Martin Bormann und Fritz Sauckel beginnen ihre Parteikarriere in Thüringen.

Bei Kriegsende setzt sich Sauckel ab, stellt sich dann aber den Amerikanern.

Sauckel blickt vom Balkon des Gauforums.

Sauckel in seiner Gau-Geschäftsstelle.

Thomas Mai und Olaf Hais üben die nächste Szene, bevor die Klappe fällt.

Sauckel schüttelt Hitler die Hand.

Fritz Sauckel wird 5 Mio. Menschen als Arbeitssklaven nach Deutschland holen.

Sauckel posiert stolz vor der Hakenkreuzfahne.

Thomas Mai bereitet sich auf den nächsten Auftritt vor.

Sauckel als französischer Kriegsgefangener im 1. Weltkrieg (alle Bilder: Stephan Flad)

Sauckel (r.) und Bormann auf dem Weg nach Weimar. (Bild: Stephan Flad)
Fritz Sauckel (re.) und Martin Bormann (li.) auf dem Weg nach Weimar.

Thomas Mai bereitet sich auf den nächsten Auftritt vor. (Bild: Stephan Flad)
Thomas Mai, der Darsteller von Fritz Sauckel) bereitet sich auf die französische Kriegsgefangenschaft im Ersten Weltkrieg vor.

Wie war es möglich, dass der Sohn eines frommen Kleinstadtbriefträgers bis in die 1. Reihe der Täter von Hitlers „tausendjährigem Reich“ gelangen und über das Schicksal von Millionen Menschen bestimmen konnte?

In den thüringischen Rüstungsbetrieben schufteten und starben tausende KZ – Häftlinge aus Buchenwald und Zwangsarbeiter aus ganz Europa: Männer, Frauen, selbst Kinder. In Nürnberg wird Fritz Sauckel behaupten, die meisten von ihnen seien Freiwillige gewesen. Doch schon im März 1942 bekannte er vor seinen Untergebenen, dass „von den fünf Millionen ausländischen Arbeitern, die nach Deutschland gekommen sind, keine 200.000 freiwillig“ kamen.

Der Film konfrontiert den Mann, der an seine Unschuld glauben wollte, mit seinen Opfern - ehemaligen Zwangsarbeitern, die die Hölle überlebt haben: der Ukrainerin Tonja Demjantschuk, die 15 war, als ihre Familie nach Deutschland verschleppt und zur Arbeit in Kahla gezwungen wurde, und dem Holländer Albert van Dijk, der als achtzehnjähriger nur durch Zufall der „Vernichtung durch Arbeit“ in den Stollen des Lagers Dora bei Nordhausen entging.

Sendung: 16.08.2009, MDR, 20:15 Uhr

Drehorte:

  • Weimar (ehemalige Villa der Fam. Sauckel, heutiges Landesmuseum ehm. Sitz der NSDAP, ehm. Gauforum, Goethe-Schiller-Denkmal, Buchenwald/Ettersberg – Steinbruch, Eingangstor )
  • Suhl – Simson Werke
  • Ilmenau – Technische Hochschule
  • Schweinfurt – ehm. Wohnhaus von Fritz Sauckel, Kugellagerfabrik
  • Hassfurt – ehm. Wohnhaus von Fritz Sauckel
  • Großeutersdorf/Walpersberg – REIMAG Werke
  • Mittelbau-Dora – KZ Mittelbau-Dora, Stollenanlage
  • Leipzig – ehm. Parkkrankenhaus Dölitz/Dösen

Die historische Persönlichkeit Ernst Friedrich Christoph Sauckel (1894-1946)

Villa Sauckel in Weimar (Bild: wikipedia.de)
Villa Sauckel in Weimar
Fritz Sauckel vom Balkon blickend (Bild: Stephan Flad)
Fritz Sauckel vom Balkon blickend

Sauckel wird am 27. Oktober 1894 im unterfränkischen Hassfurt geboren. Nachdem er seit 1904 erfolglos das Gymnasium in Schweinfurt besuchte, verlässt er 1910 das Elternhaus und heuert in Hamburg auf der norwegischen Dreimastbark „Daphne“ an. Als 1914 der Erste Weltkrieg beginnt, befindet sich der junge Matrose gerade auf Australienfahrt. Noch im Ärmelkanal gerät Sauckel in französische Zivilinternierung. Nach seiner Entlassung aus der Gefangenschaft kehrt er 1919 nach Schweinfurt zurück und arbeitet als Hilfsarbeiter in der Kugellagerfabrik Fischer. Er tritt dem „Deutschvölkischen Schutz- und Trutzbund“ (DVSTB) bei und avanciert zum Leiter der Schweinfurter Ortsgruppe, später sogar zum deutschvölkischen Kreisleiter für Unterfranken. Ab 1921 besucht er in Ilmenau die Ingenieurschule, muss jedoch infolge eines Täuschungsversuchs das Technikum verlassen. 1923 heiratet er die Tochter eines katholischen sozialdemokratischen Arbeiters, Elisabeth Wetzel. Sie ziehen zusammen nach Weimar. Aus der Ehe werden zehn Kinder hervorgehen. Nach Auflösung des DVSTB gerät die NSDAP als Alternative ins Blickfeld Sauckels. Bereits 1922 betätigt er sich als aktiver SA-Mann und reorganisiert die gesamte NSDAP als Organisationsleiter. Dafür wird er nach der NSDAP Neugründung 1925 von Hitler mit dem Posten des Gaugeschäftsführers belohnt. 1927 tritt Sauckel an die Spitze der thüringischen NSDAP-Gauleitung. Reichspräsident Paul von Hindenburg ernennt ihn 1933 zum „Reichsstatthalter für Thüringen“. 1937 bezieht er mit seiner Familie eine neugebaute palaisartige Villa in Weimar mit direktem Blick zum Konzentrationslager Buchenwald, dessen Mitinitiator er ist. Während des Zweiten Weltkrieges ernennt Adolf Hitler Sauckel 1942 zum „Generalbevollmächtigten für den Arbeitseinsatz“.

Vor Kriegsende setzt sich Sauckel in den „Gau“ Salzburg ab. Sauckel stellt sich schließlich den einrückenden Amerikanern und wird in den Nürnberger Prozessen angeklagt. Am 16. Oktober 1946 wird er in Nürnberg gehängt. 

 

Regisseur Dirk Otto (mi.) erläutert die nächste Szene (Bild: Stephan Flad)
Regisseur Dirk Otto (mi.) erläutert die nächste Szene

Der Regisseur: Dirk Otto

Während seines Regie-Studiums an der Filmhochschule in Potsdam-Babelsberg und als Regisseur im DEFA-Studio Babelsberg drehte Dirk Otto bis 1991 Kino- und TV-Filme verschiedenster Genres, z.B. „Als wir leben wollten“, „Clochards“, „Der letzte Morgen“ oder „Wir bleiben hier“. Ab 1992 war er Regisseur und Autor für Produktionsfirmen in Potsdam-Babelsberg, Berlin, Köln, Paris, München und Leipzig u.a. für den WDR, RTL, ARTE und MDR, SFB, ORB: u.a. „Helden a.D.“, „Märkisches Burgenland“, „Ravensbrück“.

Seit 1998 ist Dirk Otto für DREFA und OTTONIA auch Producer von TV- Filmen wie „Hitlers schwarzer Orden“ (ARD) und Mitautor, Producer und Regisseur von Filmen der Geschichte Mitteldeutschlands, u. a. „Theophanu“, 2004, „Kaiser Heinrich IV.“, 2007 und „Albrecht der Entartete“, 2008. 

 

Sauckel (li.) und Bormann kurz vor Drehbeginn (Bild: Stephan Flad)
Sauckel (li.) und Bormann kurz vor Drehbeginn

Der Kameramann: Hans Rombach

Hans Rombach studierte an der FOF Berlin. Nach seinem Studium arbeitete er mit der Regisseurin Christine Beck an dem szenischen und dokumentarischen Film „Mordgeschichten“ und erhielt dafür den Sonderpreis der deutschen Filmjournalisten. 1990 nahm er mit dem Film „Marquise von O“ an den Internationalen Filmfestspielen in Berlin teil. Unter der Regie von Andres Veiel mit dem Film „Balagan“ gewann Hans Rombach den Bundesfilmpreis in Silber und den deutschen Kamerapreis. Seither arbeitet Hans Rombach als Co-Autor und Kameramann an zahlreichen Dokumentar- sowie Fernsehfilmen. So entwickelte er 1997 mit dem Regisseur Christoph Schrewe den Pilotfilm „Helicops“ und ist verantwortlich für dessen Look und die technische Umsetzung.

Hans Rombach arbeitet in diesem Jahr erstmalig an einem Film für die Geschichte Mitteldeutschlands mit.

Die Autorin: Winifred König

Winifred König ist seit 2001 in Personalunion Projektleiterin und MDR-Redakteurin der Reihe „Geschichte Mitteldeutschlands“. Nach dem Journalistik-Studium an der Leipziger Universität arbeitete die erfahrene Fernsehfrau in verschiedenen Bereichen des DDR-Fernsehens, u. a. als Auslandskorrespondentin in Prag, als Autorin und Redakteurin der Sendereihen „Prisma" und „Kulturmagazin". Als MDR-Redakteurin war sie seit 1992 für verschiedene Kulturmagazine verantwortlich, u.a. für den ARD-Kulturreport und das arte-Kulturmagazin „metropolis". Sie war Co- Autorin des Films über Johann S. Bach und des Films über den Grafen von Gleichen. In den Filmen über Friedrich Schiller und Johann Wolfgang Goethe fungierte sie als Autorin. 

Der Fachberater: Dr. Steffen Raßloff

Dr. Steffen Raßloff ist Historiker und Publizist in Erfurt und Mitglied der Historischen Kommission für Thüringen. Sein Tätigkeitsschwerpunkt liegt auf der deutschen Geschichte des 19. und 20. Jahrhunderts, besonders der Geschichte Thüringens und der Stadt Erfurt. Er veröffentlichte Publikationen unter anderem zu den Themen DDR, Drittes Reich, Weimarer Republik, Bürgertum, Antisemitismus und Volkskunde in Thüringen. Zudem verfasste er die erste umfassende Biographie über NS-Gauleiter Fritz Sauckel. Er ist als Redakteur der Mitteilungen des Vereins für die Geschichte und Altertumskunde von Erfurt tätig, Redaktionsmitglied der Zeitschrift für Thüringische Geschichte und schreibt für die Thüringer Allgemeine.

Die DarstellerInnen

Thomas Mai – Fritz Sauckel
Johanna Falckner – Elisabeth Sauckel
Olaf Hais – Martin Bormann 

Das Projekt-Team

Autor: Winifred König
Regie: Dirk Otto
Kamera: Hans Rombach
Kameraassistent: Philipp Rapp
Licht: Mario Erdenberger
Kostüm: Christian Binz
Maske: Ragna Jornitz
Ausstattung: Friederike Meintke
Musik: Philip Kümpel
Schnitt: Daniel König
Fachberater: Dr. Steffen Raßloff
Aufnahmeleitung: Michael Schumann

Recherchen: Stefanie Weiß, Sabine Zimmer
Producer: Tilo Gläßer
Redaktion: Winifred König
Leitung: Claudia Schreiner