Aufstieg ins Zentrum der Macht

OTTONIA porträtiert Fritz Sauckel für „Geschichte Mitteldeutschlands“

Beinahe andächtige Stille herrscht im Schnittraum. Cutter Daniel König und Autorin Winifred König sprechen nur leise miteinander, als ob ihre Absprachen das Filmgeschehen stören könnten. Am großen Bildschirm friert gerade eine Szene ein – die kalte Funktionalität verrät ein Gefängnis. „Hier muss ich noch ein wenig nacharbeiten“, kommentiert Daniel König. „Denn in solch stark ausgeleuchteten Räumen kann der Kameramann nur schlecht mit Licht und Schatten als Gestaltungsmitteln arbeiten.“ Wenig später fallen die Schatten so, dass der Blick des Zuschauers unweigerlich auf der Treppe liegt, die Fritz Sauckel auf dem Weg zur Richtstätte nehmen muss. Tod durch den Strang lautete das Urteil 1946 im Nürnberger Prozess.

Zwangsarbeiter im Interview

Warum porträtiert die „Geschichte Mitteldeutschlands“ ausgerechnet den thüringischen NSDAP-Gauleiter Sauckel? Einen Mann, der zudem von 1942 bis 1945 als „Generalbevollmächtigter für den Arbeitseinsatz“ für die Deportation und den Einsatz einiger Millionen ausländischer Zwangsarbeiter in Deutschland verantwortlich war?

„Nicht die Biografie Sauckels steht im Fokus des Films, es ist die Frage, wie ein so durchschnittlicher Mann es schaffte, ins Zentrum der Macht aufzusteigen und über Millionen Schicksale zu entscheiden“, erklärt die erfahrene Autorin Winifred König. Besonders interessierte sie es auch, die Wirkung von Sauckels „Arbeit“ darzustellen. In Interviews kommen dafür die ehemaligen Zwangsarbeiter Albert van Dijk und Tonja Demjantschuk zu Wort.

„Schnitt ist eine kreative Arbeit“

Insgesamt 15 Tage sind für den Schnitt der 45-minütigen Dokumentation vorgesehen – das verlangt einen straffen Zeitplan. Denn der Schnitt ist nicht nur einfach das Zusammenstellen der Spielsequenzen, Interviewausschnitte und historischen Aufnahmen anhand des Szenariums.

„Der Schnitt ist eine kreative Arbeit“, sagen die beiden Königs nahezu unisono. Der Zuschauer solle ja emotional erreicht werden. Um dieses Ziel zu erreichen, werde die Reihenfolge der Sequenzen, der Einsatz der Filmmusik etc. immer wieder neu diskutiert und ausprobiert. Dass dieser Aufwand lohnt, erkennt man nicht zuletzt daran, dass die Sendereihe „Geschichte Mitteldeutschlands“ inzwischen ins elfte Jahr geht.

 

Pressemitteilung © OTTONIA Media GmbH 7/2009