Händel – Das Geheimnis eines Genies

„Ich bewundere ihn vor allem, weil er seine Unterrock-Geschichten so vollendet zu verbergen weiß.“ (Jonathan Swift)

Als Georg Friedrich Händel 1759 stirbt, verlieren zwei Nationen einen ihrer größten Künstler, die Deutschen und die Engländer.
Der gebürtige Hallenser ist, neben dem im gleichen Jahr geborenen Bach, der bedeutendste Komponist des Barock, der erste des bis dahin nahezu unbekannten Typus des „freischaffenden Künstlers“, der neben seinem gewaltigen Werk ein Millionenerbe hinterlässt. Ein Künstler, dem schon zu Lebzeiten ein Denkmal errichtet wird, Gegenstand der ersten Komponistenbiografie in der Geschichte überhaupt, erschienen bereits 1760, ein Jahr nach seinem Tod.

Händel-Darsteller Jost Pieper in voller Robe

In der Hallenser Marktkirche „Unser lieben Frauen“ wird die Taufszene gedreht.

Maskenbildnerin Nadine Ostafinski richtet Händels Schwester die Frisur

Mutter Händel begrüßt ihren Sohn Georg Friedrich zu den Tauf-Feierlichkeiten

Regisseur Dirk Otto probt die Taufszene, hier noch mit Babypuppe.

Letzte Instruktionen von Regisseur Dirk Otto für Jost Pieper und Christine Dietzel

Was hat sich Händel wohl von seiner Mutter anzuhören? (Alle Bilder: Steffen Lehmann)

Händel-Darsteller Jost Pieper in voller Robe (Bild: Steffen Lehmann)
Händel-Darsteller Jost Pieper in voller Robe
Mutter Händel (2.v.li.) begrüßt ihren Sohn zur Taufe (Bild: Steffen Lehmann)
Mutter Händel (2.v.li.) begrüßt ihren Sohn zur Taufe

Doch was schon sein junger Bewunderer, der 25jährige englische Theologe John Mainwaring, als großes Defizit empfunden haben mag, wird zum Problem aller Händel-Biografen, bis heute:

Der Privatmann ist nahezu unbekannt. Nie war er verheiratet, keine Kinder, kein Klatsch, kein Tratsch. Kaum einem Mann von solch großem öffentlichen Interesse ist es so konsequent gelungen, sein privates und intimes Leben geheim zu halten.

„Ich führe kein Tagebuch, ich lebe“, soll Händel einmal gesagt haben. Doch wie lebte er? Welche Genüsse inspirierten den Barockmenschen Händel? Was mag er verborgen haben?

Diesen Fragen geht der erste Film der nun schon 9. Staffel der „Geschichte Mitteldeutschlands“ in Halle, Hamburg, Rom, Florenz und London nach, folgt authentischen Spuren und versucht, dem Geheimnis des privaten Händel auf den Grund zu gehen. Drei seiner Biografen aus Deutschland und den USA äußern ihre grundsätzlich verschiedenen Auffassungen zu Händels unbe- kannten Privatleben, zu seinen Vorlieben und Kontakten.

Da ist von einer unerreichbaren Königin die Rede, von zweideutigen Männerfreundschaften und einem Leben, das allein der Musik gehörte.



Sendung:

7.10.2007, 20.15 Uhr, MDR

Drehorte:
Halle, London, Florenz, Rom, Venedig

Die historische Persönlichkeit Georg Friedrich Händel (1685-1759)

Taufszene. Händel (re.), dargestellt von Jost Pieper (Bild: Steffen Lehmann)
Taufszene. Händel (re.), dargestellt von Jost Pieper

Der berühmteste Sohn der Stadt Halle wurde nicht erst nach seinem Tode weltbekannt, wie viele andere Komponisten, sondern er gelangte bereits zu Lebzeiten zu großem Ruhm.

In London feierte er nach 1710 Erfolg um Erfolg. Das Publikum liebte seine Opern, ein ganzes Land lag ihm zu Füßen. Trotzdem vergaß er seine Wurzeln - seine Familie - nicht. Immer wenn es ihm möglich war, kehrte er ins heimatliche Halle zurück, um hier seine Mutter und die anderen Mitglieder der Familie zu sehen.

Ende des Jahres 1711 bot sich Händel eine solche Gelegenheit. In diesen Tagen war er Taufpate seiner Nichte Johanna Friederike, welche wie er in der Marktkirche in Halle getauft wurde. Nach seinem Tode wurde sie die Haupterbin seines nicht unbeträchtlichen Vermögens. 


Regisseur Dirk Otto (li.) erläutert die nächste Szene (Bild: Steffen Lehmann)
Regisseur Dirk Otto (li.) erläutert die nächste Szene

Der Regisseur: Dirk Otto

Während seines Regie-Studiums an der Filmhochschule in Potsdam-Babelsberg und als Regisseur im DEFA-Studio Babelsberg drehte Dirk Otto bis 1991 Kino- und TV-Filme verschiedenster Genres, z.B. „Als wir leben wollten“, „Clochards“, „Der letzte Morgen“ oder „Wir bleiben hier“. Ab 1992 war er Regisseur und Autor für Produktionsfirmen in Potsdam-Babelsberg, Berlin, Köln, Paris, München und Leipzig u.a. für den WDR, RTL, ARTE und MDR, SFB, ORB: u.a. „Helden a.D.“, „Märkisches Burgenland“, „Ravens- brück“.

Seit 1998 ist er für DREFA und OTTONIA auch Producer von TV- Filmen wie „Hitlers schwarzer Orden“ (ARD) und Mitautor, Producer oder Regisseur von zahlreichen Filmen der „Geschichte Mitteldeutschlands“ – so zuletzt von „Katharina die Große – Die Zarin aus Zerbst“ (2006).

Kameramann Rüdiger Pelikan hat alles im Blick (Bild: Steffen Lehmann)
Kameramann Rüdiger Pelikan hat alles im Blick

Der Kameramann: Rüdiger Pelikan

Er studierte an der Hochschule Potsdam – Babelsberg. Nach seinem Abschluß 1987 erhielt er die Chance, mit dem Film "Die Weihnachtsgans Auguste" als Kameramann zu debütieren. Bis zur Auflösung der DEFA-Studios für Spielfilme 1990 folgten weitere Arbeiten als Kameramann und Standfotograf. Er arbeitete mit bekannten Regisseuren wie Klaus Gendries und Egon Günther. 1991 folgte er einem Ruf an die HFF, als Assistent im Studiengang Kamera. Seit 1998 ist Rüdiger Pelikan vornehmlich als freier Kameramann tätig.

Seine erste Arbeit für die Reihe „Geschichte Mitteldeutschlands“ war die Dokumentation über das Leben von Friedrich Schiller. Im Jahre 2006 realisierte er den Film „Ehe zu dritt – Die Frauen des Grafen von Gleichen“.


Die Autorin: Winifred König

Winifred König ist seit 2001 in Personalunion Projektleiterin und MDR-Redakteurin der Reihe „Geschichte Mitteldeutschlands“. Nach dem Journalistik-Studium an der Leipziger Universität arbeitete die gestandene Fernsehfrau in verschiedenen Bereichen des DDR-Fernsehens, u.a. als Auslandskorrespondentin in Prag, als Autorin und Redakteurin der Sendereihen „Prisma" und „Kulturmagazin". Als MDR-Redakteurin war sie seit 1992 für verschiedene Kulturmagazine verantwortlich, u.a. für den ARD- Kulturreport aus Leipzig, das Kulturjournal „artour" und das arte-Kulturmagazin „metropolis".

2004 war sie Co-Autorin des Films über Johann S. Bach (2004), Autorin des Films über Friedrich Schiller und Co–Autorin beim Film über den Grafen von Gleichen. 

Die Fachberaterin: Dr. Marianne Reißinger

Die gebürtige Frankfurterin studierte Musikwissenschaft, Kunstgeschichte, Romanistik sowie Neuere Geschichte und evangelische Theologie und promovierte mit einer Arbeit über die Sinfonien des vorklassischen Komponisten Ernst Eichner.

Sie arbeitete in der Schallplattenindustrie (Hamburg), war danach viele Jahre Musikredakteurin und Musikkritikerin bei einer großen Münchner Tageszeitung und arbeitet heute als freie Musikschriftstellerin und Autorin.

Buchveröffentlichungen: „August Everding – Die Biographie“, „Künstler wider Willen – die Biographie des Opernregisseurs Götz Friedrich“, „Zwei Seelen, ach, in meiner Brust – Goethe ganz privat“, „Verdi für Eilige“, dazu die bibliophilen Kulturkochbücher „Und die Schokolade nehmen wir im blauen Salon – Zu Tisch bei Richard und Pauline Strauss“ und „Ich fresse einen Kapaun – Zu Tisch bei Georg Friedrich Händel“. Zuletzt erschien „Anna Netrebko – Ein Porträt“ (2005, als aktualisiertes Taschenbuch 2007).

Die DarstellerInnen

Junger Händel - Jost Pieper
Alter Händel - Manfred Erwe
Kardinal Pamphili - Bert Franzke
Kastrat - Axel Thielmann
Lord Burlington - Martin Langenbeck
Corelli - Thomas Fritzsch 

Das Projekt-Team

Autor: Winifred König
Kamera: Rüdiger Pelikan
Kameraassistent: Thomas Hamann
Licht: Mario Erdenberger
Kostüm: Christian Binz
Maske: Nadine Ostafinski
Ausstattung: Frederike Meintke
Musik: Michael Hartmann
Schnitt: Marc Thomas
Aufnahmeleitung: Lena Bretschneider
            
Produktionsleitung: Volker Holeček
Producer: Gabriele Reichelt
Redaktion: Winifred König
Leitung: Claudia Schreiner