Gräfin Cosel - Aufstieg und Fall einer Mätresse

„Sie hatte ein längliches Gesicht, eine wohlgestaltete Nase, einen kleinen Mund; überaus schöne Zähne, schwarze, große, lebhafte und muntere Augen, schwarzes Haar, eine wunderschöne Brust; ihr Hals, ihre Hände und ihre Arme waren wohl gebildet… Ihre Leibesbildung konnte wie ein Meisterstück gelten; ihr Ansehen war prächtig, und sie tanzte mit der äußersten Vollkommenheit.“

So beschreibt ein Zeitgenosse der Cosel, Karl Ludwig von Pöllnitz, die Frau, die als einzige der zahlreichen Mätressen Augusts des Starken in die Geschichte eingegangen ist.

Begonnen hat ihr Aufstieg mit einer schicksalhaften Begegnung im winterlichen Dresden des Jahres 1704. Das Haus des Hofbeamten Hoym steht in Flammen.

 

Gräfin Cosel wollte nicht nur als Mätresse herhalten. Das hob sie von den anderen ab.

So wurde sie die stolze Frau an der Seite Augusts des Starken.

Damals mochte man Prunk und Kitsch – die Zeit des Barocks.

Anna Constantia geht mit einer ihrer Zofen spazieren.

Cosel mit einer Rose von ihrem Verehrer, dem König.

August der Starke und Gräfin Cosel bei einem gemeinsamen Ausritt.

Große Feierlichkeiten gehörten am sächsischen Königshof zur Tagesordnung.

Gräfin Cosel kann auch anders. Dadurch wurde sie berühmt und verhaftet.

Die intelligente Cosel erhielt von ihren Eltern Unterricht in den verschiedensten Fächern.

Gräfin Cosel wollte nicht nur als Mätresse herhalten. Das hob sie von den anderen ab. (Bild: Filmausschnitt)
Gräfin Cosel wollte nicht nur als Mätresse herhalten. Das hob sie von den anderen ab.
Gräfin Cosel kann auch anders. Dadurch wurde sie berühmt und verhaftet. (Bild: Filmausschnitt)
Gräfin Cosel kann auch anders. Dadurch wurde sie berühmt und verhaftet.

Als August der Starke besorgt herbei eilt, erblickt er die wunderschöne Anna Constantia von Hoym, die beherzt die Löscharbeiten leitet. Augenblicklich ist er verzaubert und bietet ihr die Chance ihres Lebens. Aus Frau von Hoym wird die Reichsgräfin Cosel, die Grande Dame an Augusts Hof. So jedenfalls die Legende über den Aufstieg der berühmtesten Mätresse des „sächsischen Herkules“.

Deutlich hebt sich die Cosel von den anderen Mätressen des sächsischen Kurfürsten und polnischen Königs ab. Sie ist mehr als ein knackiges Weibsstück zum Vorzeigen. Selbstbewusst führt sie ihren eigenen Hofstaat und greift mutig in politische Belange des Landes ein – sehr zum Zorn ihrer Gegner.

Genau die bringen sie nach acht Jahren Ruhm und Ehre zu Fall. Tapferkeit und Unnachgiebigkeit kosten die Cosel schließlich sogar die Freiheit.

Als sie dem König das schriftliche Eheversprechen nicht ausliefern will, lässt er seine Ex-Geliebte, die ihm nun die Stirn bietet und zur Staatsfeindin Nr. 1 avanciert, 1716 gefangen nehmen und auf der Festung Stolpen einsperren. Nach fast 50 Jahren Haft stirbt Anna Constantia von Cosel verlassen und vergessen in ihrem Kerker. Ihr Schicksal aber fasziniert die Nachwelt bis heute.



Sendung:
06.11.2005, 20.15 Uhr, MDR

Drehorte:
Altranstädt, Leipzig, Wolfenbüttel, Depenau, Gottorf, Pillnitz, Stolpen, Dresden, Berlin, Schloss Lichtenwalde und Umgebung, Schloss Altenburg

 

Die historische Persönlichkeit Anna Constantia Gräfin von Cosel (1680-1765)

Der so genannte Coselturm, in welchem die Gräfin fast 50 Jahre lebte.
Der so genannte Coselturm, in welchem die Gräfin fast 50 Jahre lebte.

Gräfin von Cosel wurde am 17.10.1680 als Anna Constantia von Brockdorff im holsteinischen Depenau geboren. Sie ist die Tochter des Ritters Joachim von Brockdorff.

1703 heiratete sie Adolf Magnus von Hoym. Die Ehe wird 1706 wieder geschieden.

1705 wird Anna Constantia die offizielle Mätresse von Augusts dem Starken. Dieser erhebt sie 1706 in den Reichsgrafenstand. 1714 fällt sie in Ungnade und wird auf Schloss Pillnitz verbannt, worauf sie 1715 nach Berlin und später Halle flieht.

Hier wird sie 1716 gefangen genommen und an Sachsen ausgeliefert. Man inhaftiert sie auf der  Festung Stolpen, wo sie fast 50 Jahre, bis zu ihrem Tod 1765, lebt.

 

Regisseur Dirk Otto koordiniert den Dreh. (Bild: MDR)
Regisseur Dirk Otto koordiniert den Dreh.

Der Regisseur: Dirk Otto

Während seines Regie-Studiums an der Filmhochschule in Potsdam-Babelsberg und als Regisseur im DEFA-Studio Babelsberg drehte Dirk Otto bis 1991 Kino- und TV-Filme verschiedenster Genres, z.B. „Als wir leben wollten“, „Clochards“, „Der letzte Morgen“ oder „Wir bleiben hier“. Ab 1992 war er Regisseur und Autor für Produktionsfirmen in Potsdam-Babelsberg, Berlin, Köln, Paris, München und Leipzig u.a. für den WDR, RTL, ARTE und MDR, SFB, ORB: u.a. „Helden a.D.“, „Märkisches Burgenland“, „Ravensbrück“.

Seit 1998 ist er für DREFA und OTTONIA auch Producer von TV- Filmen wie „Hitlers schwarzer Orden“ (ARD) und Mitautor, Producer oder Regisseur von zahlreichen Filmen der „Geschichte Mitteldeutschlands“ – so zuletzt von „Eines Freundes Freund zu sein - Das Leben des Friedrich Schiller“ (2004/ 2005).

 

Kameramann Kai-Uwe Schulenburg ist in Position (Bild: Steffen Lehmann)
Kameramann Kai-Uwe Schulenburg ist in Position

Der Kameramann: Kai-Uwe Schulenburg

Kai-Uwe Schulenburg arbeitete nach dem Abitur 1980 im Bereich Dramaturgie am Theater der Stadt Schwedt. Nach einem Volontariat im Filmstudio der NVA und beim Fernsehen der DDR besuchte er 1992 die Schauspielschule in Berlin.

1986 war er erster Regieassistent bei Rainer Simon für den Kinospielfilm „Wengler & Söhne“. 1989-96 folgte ein Studium an der Film- und Fernsehakademie Berlin.

1994 veröffentlichte er das Buch „Stein und Name - Die jüdischen Friedhöfe auf dem Gebiet der ehemaligen DDR und Berlin". Seit 1991 arbeitet Kai-Uwe Schulenburg als freier Kameramann im Bereich Kultur und Dokumentation.


Die Autorin: Leonore Brandt

Leonore Brandt ist Autorin und Filmemacherin. In den 80er Jahren produzierte sie beim DFF unter anderem Porträtfilme über Regisseure und Schauspieler wie Sergej Bondartschuk, Jean Gabin und Marlene Dietrich. Später war sie verantwortliche Literaturredakteurin der Kulturzeitung "Sonntag". Seit 1992 arbeitet sie frei. Leonore Brandt lebt in Leipzig und Berlin.

Ihre Arbeiten (Auswahl): Neben zahlreichen Kurzfeatures, Porträts und ARD-Buchmesse-Reportagen: "Die Stefan-Heym-Legende", ORB, 1997; "Geschlossene Gesellschaft & Ende der Illusionen – DDR-Literatur, 1961 bis 1992", MDR 1997/98 (2 Folgen); "Erwin Strittmatter", arte, 1998; "Grausames, zärtliches Petersburg", MDR, 1998; "Belarus – Nachrichten aus einem zerfallenen Reich", MDR 2000; „Maestro Fabio Luisi“ MDR, 2003; für Geschichte Mitteldeutschlands unter anderem: „Friedrich der Gebissene – der letzte Staufer“, 2003, „Theophanu – Die mächtigste Frau des Abendlandes“, 2004.

Der Fachberater: Prof. Dr. Reiner Groß

Reiner Groß wird 1937 in Zwickau geboren. Von 1954 bis 1960 studiert er in Leipzig, Berlin und Potsdam Geschichte, Pädagogik und Archivwissenschaften. Bereits vier Jahre nach dem Studienabschluss promoviert er das erste Mal. 1987 folgt eine zweite Promotion. Reiner Groß arbeitet über vier Jahrzehnte als Archivar am Sächsischen Hauptstaatsarchiv Dresden, leitet es über viele Jahre als Direktor. Von 1994 bis 2002 hat er an der Technischen Universität Dresden den Lehrstuhl für die Regionalgeschichte Sachsens inne.

Reiner Groß ist seit 1988 Mitglied der Sächsischen Akademie der Wissenschaften in Leipzig und leitet dort insgesamt sieben Jahre lang die Historische Kommission. Mehr als 250 wissenschaftliche Arbeiten zur sächsischen Landesgeschichte, zur Archivwissenschaft und zur Stadtgeschichte Dresdens stammen aus seiner Feder.

Die DarstellerInnen

Julia Reinecke - junge Cosel
Julia-Maria Köhler - mittlere Cosel
Silvia Rieger - alte Cosel
Michael Heuel - August der Starke
Romeo Riemer - Hoym
Peter Schulze-Sandow - Flemming

Das Projekt-Team

Autorin: Leonore Brandt
Regisseur: Dirk Otto
Kamera: Kai-Uwe Schulenburg
Kameraassistent: Andreas Hoberg

Licht: Mario Erdenberger
Kostüm: Christian Binz, Myriam Cuvillier
Maske: Nadine Ostafinski
Ausstattung: Friederike Meintke
Requisite: Hartmut Behder

Musik: Maik Hartung
Aufnahmeleitung: Kristin Schwidop, Carina Pommrenke
Produktionsleitung: Volker Holeček
Producer: Steffen Jindra
Redaktion: Winifred König
Leitung: Claudia Schreiner