13. März 1938: „Anschluss“ Österreichs an das Deutsche Reich. Bei ihrem Einmarsch stoßen die deutschen Truppen auf keinerlei Widerstand. Adolf Hitler wird in seiner Heimatstadt Linz begeistert empfangen. Unter dem Eindruck des Jubels beschließt er, Linz, bis dahin eine unbedeutende Provinzstadt, zu einer europäischen Kulturmetropole umzugestalten und in ihrem Zentrum ein Kunstmuseum zu errichten, das alle Kunstsammlungen der Welt in den Schatten stellen soll. Es ist der Startschuss für den bisher größten Kunstraub der Weltgeschichte. Deutsche Kunsthistoriker beginnen in den nächsten Monaten, die staatlichen Kunstsammlungen Hollands, Belgiens und Frankreichs auszuspionieren und geheime Listen anzufertigen. Als am 1. September 1939 der Krieg beginnt, ist alles bereit.
Im Schatten des deutschen Heeres sind verschiedenste Einsatzkommandos unterwegs, um Kulturgüter aller Art zu konfiszieren und zu plündern. Kunstwerke verschwinden in geheimen Depots – manche für immer. Und nicht immer sind es nur die Beauftragten des Linzer Museums. Nazigrößen wie Hermann Göring plündern auf eigenes Risiko und eigene Rechnung. Andere wie Alfred Rosenberg und Heinrich Himmler verfolgen vor allem ideologische Ziele: Die besetzten Länder sollen kulturell gedemütigt und ihrer größten Schätze beraubt werden. Über allem aber steht der Wunsch Hitlers nach einem gewaltigen Kunstmuseum in Linz. Auf alle geraubten Kunstwerke hat er den ersten Zugriff.
Nach der deutschen Niederlage bei Stalingrad dreht sich das Blatt: Stalin befiehlt den gezielten Zugriff auf Kunstwerke im Deutschen Reich. Unter Leitung des Geheimdienstes NKWD setzt er nun eine geheime Kommission ein, die genaue Listen erstellen soll: Listen, mit denen „Trophäenkommissionen“ in Deutschland Jagd auf Kunstwerke machen sollen, sobald die Rote Armee die deutschen Reichsgrenzen überschreitet. Geht es den Sowjets vor allem um Wiedergutmachung, verfolgen die Westalliierten zur selben Zeit völlig andere Ziele: Sie wollen die „Symbole der Zivilisation“ wenn möglich aus dem Kriegsgeschehen heraushalten. In mühevoller Handarbeit werden Listen schutzwürdiger Kunstwerke auf Landkarten übertragen und abfotografiert, und dann speziell ausgebildeten amerikanischen Kunstschutzoffizieren mitgegeben.
Im April 1945 kommt es dann zum großen Showdown: In einem Salzbergwerk in Alt-Aussee bei Salzburg waren die meisten der für Linz vorgesehenen Gemälde von den Deutschen in Sicherheit gebracht worden. Während der dortige Gauleiter den Befehl erhalten hatte, die Kunstwerke auf keinen Fall in die Hände der Alliierten fallen zu lassen und das Bergwerk daher zur Sprengung vorbereitete, bemühte sich eine österreichische Widerstandgruppe um die Rettung der Bilder. Und auch die Amerikaner hatten einen Tipp bekommen und setzten nun alles daran, so schnell wie möglich in dieser Richtung vorzustoßen.
Während die diplomatische und die militärische Seite des Zweiten Weltkrieges zu den am besten erforschten Gebieten der Zeitgeschichte zählt, sind die Fragen der Beute und Verschleppung von Kunstwerken bisher ein Randthema geblieben. Mit unserem Film werden wir die Geschichte des Kunstraubs im Zweiten Weltkrieg in allen Facetten als klassische Räuber-und-Gendarm-Geschichte nacherzählen. Wir folgen den Einsatzkommandos auf ihrer Suche nach begehrten Kunstwerken in Frankreich, Belgien, Holland und der Sowjetunion. Parallel erzählen wir von den verzweifelten Versuchen in den besetzten Ländern, die Kunstwerke vor den Deutschen in Sicherheit zu bringen. Der Film enthält so alle Elemente eines Krimis.
Sendedatum: ARTE, 29.04.07, 22.45 Uhr