Kaiser Heinrich IV. – Der Tyrann auf dem Thron

Was an Scheußlichkeiten über Heinrich IV. berichtet wird, der mit seinem demütigen Kniefall in Canossa 1077 in die Geschichte einging, ist völlig außergewöhnlich und absolut einmalig im gesamten Mittelalter. Heimtückische Morde, Verrat, sogar die Vergewaltigung seiner Ehefrau und seiner Schwester, der Äbtissin von Quedlinburg, soll er angezettelt haben. Dennoch hat sich Heinrich IV. ungewöhnlich lange auf dem Thron gehalten: ganze 50 Jahre.

Sprechen die Chronisten die Wahrheit? Oder sind die Abscheulichkeiten von seinen Gegnern erfunden, politische Propaganda in Krisenzeiten im Kampf um die Macht?

Heinrich IV. schrieb mit dem Gang nach Canossa Geschichte.

Jedoch war dies kein Spaziergang. Seine Gegner sperrten die meisten Alpenpässe.

So endete die Reise im Winter 1076/77 für einige seiner Begleiter tödlich.

Kamerafahrten im zeitgenössischen Stil: realisiert mit dem Pferdeschlitten.

Kameramann Kai-Uwe Schulenburg arbeitet unter erschwerten Bedingungen.

Regisseur Dir Otto macht Suppenpause.

Heinrich (Moritz Mack) hat mit vielen Strapazen zu kämpfen.

Den Frauen wurde das Rutschen über die vereisten Pässe erspart - sie wurden gezogen.

Das Team trifft die letzten Vorbereitungen für den legendären Gang nach Canossa.

Kameramann Schulenburg in der historischen Kulisse, der Burg Canossa.

Die Burg ist nur schwer zu erreichen. Sicherheit hat ihren Preis.

Das Kamerateam transportiert die Ausrüstung. (alle Bilder: MDR)

Kaiser Heinrich IV. auf seinem Weg nach Canossa (Bild: Steffen Lehmann)
Kaiser Heinrich IV. auf seinem Weg nach Canossa
Canossa im Jahre 1077: Heinrich IV. liegt im Staub (Bild: Steffen Lehmann)
Canossa im Jahre 1077: Heinrich IV. liegt im Staub

Bruno von Magdeburg hat uns mit seinem „Buch vom Sachsenkrieg“ die schärfste Kritik an Heinrichs Lebens- und Regierungsführung hinterlassen. Der Kleriker war ein glühender Anhänger der Gegner des Königs, seine Schrift stellt Heinrich als scheußlichen Tyrannen dar. Die Überlieferungen von Heinrichs Feinden sind eindeutig in der Überzahl, aber auch seine Anhänger haben uns Aufschlussreiches hinterlassen: die „Vita Henrici“, von einem Gelehrten aus Heinrichs nahem Umfeld kurz nach dessen Tod geschrieben, beschreibt den König und späteren Kaiser als barmherzigen, guten Herrscher. Die Forschung hat seit dem nationalistischen 19. Jahrhundert alle Vorwürfe gegen Charakter und Lebenswandel Heinrichs als Übertreibungen gesehen, frei nach dem Motto: was nicht sein darf, kann nicht sein. Der starke Heinrich, Verteidiger des deutschen Königreichs gegen die Machtansprüche der Kirche, sollte ein guter König gewesen sein. Aber war das tatsächlich so?

Neueste Forschungen nähern sich Heinrichs Herrschaftsstil und Charakter differenzierter und entdecken einen wahren Kern in den diffamierenden Schriften. Was ist dran an den Vorwürfen? War Heinrich ein Tyrann? Wir befragen die Quellen und die aktuellen Interpretationen der Historiker, die wie Detektive die Indizien zu einem Gesamtbild zusammenfügen. Authentische Orte wie Quedlinburg, Merseburg, Goslar, Rom und Canossa, die ungewöhnliche Fülle von Chroniken des Mittelalters, Briefe, Spielszenen und Dokumente aus Heinrichs Lebenszeit, all das fügt sich zu einem lebendigen und anschaulichen Bild des Herrschers.


Sendung: 21.10.2007, 20.15 Uhr, MDR 

Drehorte: Falkenstein, Gernrode, Ermsleben, Schadeleben, Rom, Canossa, Goslar, Kaiserswerth, Harzburg, Merseburg, Quedlinburg, Speyer, Leipzig 

Die historische Persönlichkeit Kaiser Heinrich IV. (1050-1106)

Kai-Uwe Schulenburg – alles bereit zum Dreh (Bild: Steffen Lehmann)
Kai-Uwe Schulenburg – alles bereit zum Dreh

Mit drei Jahren wird Heinrich zum Mitkönig gekrönt. Als er fünf ist, stirbt sein Vater.

Bis 1065 führen erst seine Mutter, dann verschiedene Fürsten für Heinrich die Regierung. Seine Herrschaft ist gezeichnet durch schwere Kämpfe – gegen sächsische Fürsten, gegen den Papst, gegen Rudolf von Rheinfelden, der ihm den Thron streitig macht, und schließlich gegen seine eigenen Söhne.

Berühmt macht Heinrich sein legendärer Bußgang nach Canossa. 1084 wird er in Rom zum Kaiser gekrönt.

1106 stirbt Heinrich in Gefangenschaft und wird später im Dom zu Speyer beigesetzt.  


Regisseur Dirk Otto (li.) spricht mit dem Darsteller von Heinrich IV., Rafael Banasik (Bild: Steffen Lehmann)
Regisseur Dirk Otto (li.) spricht mit dem Darsteller von Heinrich IV., Rafael Banasik

Der Regisseur: Dirk Otto

Während seines Regie-Studiums an der Filmhochschule in Potsdam-Babelsberg und als Regisseur im DEFA-Studio Babelsberg drehte Dirk Otto bis 1991 Kino- und TV-Filme verschiedenster Genres, z.B. „Als wir leben wollten“, „Clochards“, „Der letzte Morgen“ oder „Wir bleiben hier“. Ab 1992 war er Regisseur und Autor für Produktionsfirmen in Potsdam-Babelsberg, Berlin, Köln, Paris, München und Leipzig u.a. für den WDR, RTL, ARTE und MDR, SFB, ORB: u.a. „Helden a.D.“, „Märkisches Burgenland“, „Ravensbrück“.

Seit 1998 ist er für DREFA und OTTONIA auch Producer von TV- Filmen wie „Hitlers schwarzer Orden“ (ARD) und Mitautor, Producer oder Regisseur von zahlreichen Filmen der Geschichte Mitteldeutschlands, u.a. „Gräfin Cosel – Aufstieg und Fall einer Mätresse“, 2005.

Kameramann Kai-Uwe Schulenburg ist in Position (Bild: Steffen Lehmann)
Kameramann Kai-Uwe Schulenburg ist in Position

Der Kameramann: Kai-Uwe Schulenburg

Kai-Uwe Schulenburg arbeitete nach dem Abitur 1980 im Bereich Dramaturgie am Theater der Stadt Schwedt. Nach einem Volontariat im Filmstudio der NVA und beim Fernsehen der DDR besuchte er 1992 die Schauspielschule in Berlin.

1986 war er erster Regieassistent bei Rainer Simon für den Kinospielfilm „Wengler & Söhne“. 1989-96 folgte ein Studium an der Film- und Fernsehakademie Berlin.

1994 veröffentlichte er das Buch „Stein und Name - Die jüdischen Friedhöfe auf dem Gebiet der ehemaligen DDR und Berlin". Seit 1991 arbeitet Kai-Uwe Schulenburg als freier Kameramann im Bereich Kultur und Dokumentation.


Die Autorin: Petra Bertram

Petra Bertram wurde 1969 in Hannover geboren. Sie ist in Bonn und New York auf-gewachsen und hat 1995 ihr Studium der Politikwissenschaften in Berlin abgeschlossen.

Seit 1996 arbeitet Bertram als freie Journalistin und übernimmt Drehbuch-, Regie- und Autorenarbeiten für verschiedene öffentlich-rechtliche und private Sender. Sie lebt und arbeitet in Berlin.

Ihre Arbeiten (Auswahl): MDR, Geschichte Mitteldeutschlands – „Für Kaiser, Volk und Vaterland“, 2001, „Otto der Große“, 2002 und „Otto von Bismarck“, 2004; „Ich will was ändern! Johanna ist Greenpeaceaktivistin“, 2003; „TRICKBOXXen“, 2004; „Nur 48 Stunden. Ein Krankenhaus zieht um“, 2004.

Der Fachberater: Gerd Althoff

Gerd Althoff studiert von 1965 bis 1970 Geschichte und Germanistik an den Universitäten in Heidelberg und Münster, wo er 1974 auch promoviert.

In den folgenden Jahren arbeitet er als wissenschaftlicher Assistent an der Universität Freiburg in Breisgau, wo er 1981 habilitiert. Von 1986 bis 1997 übernimmt er verschiedene Professuren u.a. an der Universität in Münster, an die er später wieder zurückkehrt. Während dessen ist er tätig als Projektleiter im Sonderforschungsbereich „Träger, Felder, Formen pragmatischer Schriftlichkeit im Mittelalter“ und als Fachberater der Deutschen Forschungsgemeinschaft.

Seit 1997 ist Gerd Althoff Betreuer des Graduiertenkollegs "Schriftkultur und Gesellschaft im Mittelalter". Zurzeit hat er den Lehrstuhl II für Mittelalterliche Geschichte an der Universität zu Münster inne.

Die DarstellerInnen

Rafael Banasik - Kaiser Heinrich IV.
Moritz Mack - Heinrich IV. jung
Heike Warmuth - Bertha von Turin
Thomas Neumann - Papst Gregor VII.
Arnold Hofheinz - Rudolf von Rheinfelden 

Das Projekt-Team

Autorin: Petra Bertram
Regisseur: Dirk Otto
Kamera: Kai-Uwe Schulenburg
Kamera-Assistenz: Andreas Hoberg
Licht: Mario Erdenberger
Kostüm: Marlis Knoblauch
Maske: Nadine Ostafinski
Ausstattung: Ulrike Schwarzburger
Requisite: Frank Müller
Musik: Maik Hartung
Fachberater: Gerd Althoff
            
Aufnahmeleitung: Tilo Gläßer
Produktionsleitung: Volker Holeček
Producer: Steffen Jindra
Redaktion: Winifred König
Leitung: Claudia Schreiner