Bruno von Magdeburg hat uns mit seinem „Buch vom Sachsenkrieg“ die schärfste Kritik an Heinrichs Lebens- und Regierungsführung hinterlassen. Der Kleriker war ein glühender Anhänger der Gegner des Königs, seine Schrift stellt Heinrich als scheußlichen Tyrannen dar. Die Überlieferungen von Heinrichs Feinden sind eindeutig in der Überzahl, aber auch seine Anhänger haben uns Aufschlussreiches hinterlassen: die „Vita Henrici“, von einem Gelehrten aus Heinrichs nahem Umfeld kurz nach dessen Tod geschrieben, beschreibt den König und späteren Kaiser als barmherzigen, guten Herrscher. Die Forschung hat seit dem nationalistischen 19. Jahrhundert alle Vorwürfe gegen Charakter und Lebenswandel Heinrichs als Übertreibungen gesehen, frei nach dem Motto: was nicht sein darf, kann nicht sein. Der starke Heinrich, Verteidiger des deutschen Königreichs gegen die Machtansprüche der Kirche, sollte ein guter König gewesen sein. Aber war das tatsächlich so?
Neueste Forschungen nähern sich Heinrichs Herrschaftsstil und Charakter differenzierter und entdecken einen wahren Kern in den diffamierenden Schriften. Was ist dran an den Vorwürfen? War Heinrich ein Tyrann? Wir befragen die Quellen und die aktuellen Interpretationen der Historiker, die wie Detektive die Indizien zu einem Gesamtbild zusammenfügen. Authentische Orte wie Quedlinburg, Merseburg, Goslar, Rom und Canossa, die ungewöhnliche Fülle von Chroniken des Mittelalters, Briefe, Spielszenen und Dokumente aus Heinrichs Lebenszeit, all das fügt sich zu einem lebendigen und anschaulichen Bild des Herrschers.
Sendung: 21.10.2007, 20.15 Uhr, MDR
Drehorte: Falkenstein, Gernrode, Ermsleben, Schadeleben, Rom, Canossa, Goslar, Kaiserswerth, Harzburg, Merseburg, Quedlinburg, Speyer, Leipzig