Für Kaiser, Volk und Vaterland - Die Deutschen und ihre Denkmäler

Die Wartburg am 18.10.1817: Bier fließt in Strömen, deutsche Studenten singen Lieder und halten glühende Reden gegen die Kleinstaaterei. Die national gesinnten Burschen feiern den Jahrestag der Völkerschlacht bei Leipzig, also das Ende der napoleonischen Fremdherrschaft.

Die junge Nationalbewegung vereinnahmt die Burg, 20 Jahre bevor Großherzog Carl Alexander von Sachsen-Weimar-Eisenach sie zu einem fürstlichen Gesamtkunstwerk herrichtet und den Deutschen als Geschenk darbietet.

Wie die Wartburg hat auch der Kyffhäuser heute nationale Ausstrahlungskraft.

 

Das Kyffhäuser-Denkmal
Schon im 19. Jahrhundert galt die Wartburg als Denkmal. (Bild: Filmausschnitt)
Schon im 19. Jahrhundert galt die Wartburg als Denkmal.

Von diesem Berg erzählt die volkstümliche Legende, dass der Stauferkaiser Barbarossa hier auf ein geeintes Deutsches Reich warte.Deshalb weihen Kriegervereine 1896 auf dem Kyffhäuser ein Denkmal zu Ehren Kaiser Wilhelm I., des Reichseinigers, ein. Deutschland ist nun eine Nation und die setzt sich Denkmäler.Und die nachfolgenden Generationen müssen damit umgehen.

Zur Erinnerung an die Befreiungskriege wird das Völkerschlachtdenkmal bei seiner Einweihungsfeier 1913 in Leipzig bejubelt, ein Totenmal für die deutschen Gefallenen, pompös und bombastisch aus sächsischem Granit gehauen. Hier treffen sich Monarchisten, Revanchisten und später Nationalsozialisten. Und auch die DDR kann das Denkmal für ihre Zwecke brauchen.

Der Film zeigt, dass Geschichte zu allen Zeiten benutzt, verfälscht und zurechtgebogen wird, wie man's gerade braucht. An Um- und Neudeutungen der Denkmäler, an ihrer alltäglichen und festtäglichen Nutzung zeigt der Film, wie mitteldeutsche Akteure Politik mit den Symbolen betreiben. 


Sendung:
21.10.2001, 20.15 Uhr, MDR

 

Die Autorin und Regisseurin: Petra Bertram

Petra Bertram wurde am 10. Juni 1969 in Hannover geboren. Sie ist in Bonn und New York aufgewachsen und hat 1995 ihr Studium der Politischen Wissenschaft in Berlin abgeschlossen.

Seit 1996 realisierte sie zahlreiche Reportagen und Magazinbeiträge für öffentlich-rechtliche und private Sender. Petra Bertram lebt und arbeitet als freie Autorin in Berlin.

Der Kameramann: Robert Schramm

Robert Schramm wurde 1974 in (Ost-) Berlin geboren und wuchs seit 1977 (nach Flucht) in West-Berlin auf. 1980 besuchte er für nur 2 Jahre die Grundschule, da er die folgenden acht Jahre mit seinen Eltern durch Asien und Europa reisen sollte.

1990-92 absolvierte er per Quereinstieg erfolgreich den Realschulabschluss und entschied sich 1994 zum Einstieg in die Fernsehproduktion und arbeitete drei Jahre als Aufnahmeleiter, Rechercheur und Produktionsassistent in einer freien Fernsehproduktion ("Close Up tv"), bis er 1997 seine Leidenschaft für das Kameraführen entdeckte. Nach einjähriger Dreherfahrung bei "Close Up tv" arbeitet er seit 1998 als selbständiger Kameramann für verschiedenste Fernsehformate.