Wer ist dieser Karl May – ein Genie, Prahler, Blender, Phantast ?
Karl May wird am 25. Februar 1842 als fünftes von 14 Kindern in einer Weberfamilie im erzgebirgischen Hohenstein – Ernstthal geboren. In bitterer Armut aufgewachsen, scheint ihm zunächst eine Karriere als Volksschullehrer vorbestimmt. Kleinere Diebstähle, Betrügereien und Hochstapelei bringen ihn schließlich für 4 Jahre ins Zuchthaus.
Als er mit 32 Jahren entlassen wird, beschließt er, sein Leben radikal zu ändern und Schriftsteller zu werden. Er beginnt als Redakteur von Provinz – und Unterhaltungsblättern. Obwohl er bislang über Sachsen nie hinausgekommen ist, verfasst er sogar Reiseerzählungen. Sein Wissen bezieht er aus Nachschlagewerken und Zeitungsberichten.
In Fortsetzungsromanen verleiht er seinen Träumen von Freiheit, Gleichheit, ewiger Freundschaft und edlen Menschen Gestalt. Er entwirft ein romantisches Wildwestpanorama, erfindet das Traumpaar Winnetou und Old Shatterhand. Seine Sympathie gilt den Benachteiligten und Schwachen. Die Winnetou-Romane werden Bestseller und Karl May ein wohlhabender Mann.
Er bezieht mit seiner ersten Frau die neu erbaute „Villa Shatterhand“ in Radebeul. Die allgemeine Hochachtung, die das literarische Schaffen lange Zeit begleitet, schlägt ins Gegenteil um, als bekannt wird, dass Karl May keinen der Schauplätze seiner Geschichten je selbst gesehen hat, vorbestraft ist und er auch seinen Doktortitel nur erfunden hat. Zahlreiche juristische Auseinandersetzungen überschatten die letzten Lebensjahre. Am 30. März 1912 stirbt Karl May an einem Herzschlag.
Nicht das wirkliche Leben, sondern die Abenteuer in seinem Kopf, seine grenzenlose Phantasie haben ihn berühmt gemacht und faszinieren noch heute Millionen. Er gehört zu den meist gelesenen Autoren in der Welt, seine Gesammelten Werke wurden in rund 40 Sprachen übersetzt.
Sendung:
28.11.2004, 20.15 Uhr, MDR
Drehorte:
Hohenstein–Ernstthal, Waldenburg, Amerika, Chemnitz, Waldheim, Osterstein, Radebeul, Mittweida, Radebeul