Karl May - Der Phantast aus Sachsen

Er soll über 1200 Sprachen und Dialekte verstanden haben, mehr als 20 Mal in Nordamerika gewesen sein, über 35 000 Apachen befehligt und wegen der Strapazen im wilden Westen täglich zehn bis vierzehn Pfund Fleisch gegessen haben – roh oder unter dem Sattel zugeritten.

So erfuhren es die Zuhörer auf seinen Lesetourneen. „Ich selbst bin Old Shatterhand und Kara Ben Nemsi und habe all jene Abenteuer und Heldentaten, die in meinen Büchern geschrieben stehen, selbst erlebt.“ Auf Postkarten präsentiert er sich als Weltenbummler und Abenteurer. Seine Fans glauben ihm jedes Wort und jedes seiner Abenteuer mit Winnetou, dem Häuptling der Apachen. Doch Karl May ist dem Indianer nie begegnet und erst sehr viel später, reist er ein einziges Mal in die USA.

Karl May schaffte den Sprung zum erfolgreichen Schriftsteller und zurück.

Als erfolgreicher Schriftsteller entdeckt Karl May in Clara Plöhn verwandte Anschauungen.

Klara Plöhn ist für Karl May bald mehr als eine Mitarbeiterin.

Die beiden heirateten 1903.

Aus den Freundinnen Emma May und Klara Plöhn wurden Rivalinnen.

Das Blockhaus hinter dem Karl-May-Museum, die "Villa Bärenfett".

Karl May in seinem Arbeitszimmer in der Radebeuler Villa "Shatterhand".

Karl May in seinem Arbeitszimmer in der Radebeuler Villa "Shatterhand". (Bild: MDR)
Karl May in seinem Arbeitszimmer in der Radebeuler Villa "Shatterhand".
Karl May mit seiner späteren Ehefrau Clara Plöhn. (Bild: MDR)
Karl May mit seiner späteren Ehefrau Clara Plöhn.
Das Blockhaus hinter dem Karl-May-Museum, die "Villa Bärenfett".(Bild: MDR
Das Blockhaus hinter dem Karl-May-Museum, die "Villa Bärenfett".

Wer ist dieser Karl May – ein Genie, Prahler, Blender, Phantast ?

Karl May wird am 25. Februar 1842 als fünftes von 14 Kindern in einer Weberfamilie im erzgebirgischen Hohenstein – Ernstthal geboren. In bitterer Armut aufgewachsen, scheint ihm zunächst eine Karriere als Volksschullehrer vorbestimmt. Kleinere Diebstähle, Betrügereien und Hochstapelei bringen ihn schließlich für 4 Jahre ins Zuchthaus.

Als er mit 32 Jahren entlassen wird, beschließt er, sein Leben radikal zu ändern und Schriftsteller zu werden. Er beginnt als Redakteur von Provinz – und Unterhaltungsblättern. Obwohl er bislang über Sachsen nie hinausgekommen ist, verfasst er sogar Reiseerzählungen. Sein Wissen bezieht er aus Nachschlagewerken und Zeitungsberichten.

In Fortsetzungsromanen verleiht er seinen Träumen von Freiheit, Gleichheit, ewiger Freundschaft und edlen Menschen Gestalt. Er entwirft ein romantisches Wildwestpanorama, erfindet das Traumpaar Winnetou und Old Shatterhand. Seine Sympathie gilt den Benachteiligten und Schwachen. Die Winnetou-Romane werden Bestseller und Karl May ein wohlhabender Mann.

Er bezieht mit seiner ersten Frau die neu erbaute „Villa Shatterhand“ in Radebeul. Die allgemeine Hochachtung, die das literarische Schaffen lange Zeit begleitet, schlägt ins Gegenteil um, als bekannt wird, dass Karl May keinen der Schauplätze seiner Geschichten je selbst gesehen hat, vorbestraft ist und er auch seinen Doktortitel nur erfunden hat. Zahlreiche juristische Auseinandersetzungen überschatten die letzten Lebensjahre. Am 30. März 1912 stirbt Karl May an einem Herzschlag.

Nicht das wirkliche Leben, sondern die Abenteuer in seinem Kopf, seine grenzenlose Phantasie haben ihn berühmt gemacht und faszinieren noch heute Millionen. Er gehört zu den meist gelesenen Autoren in der Welt, seine Gesammelten Werke wurden in rund 40 Sprachen übersetzt.

 



Sendung:
28.11.2004, 20.15 Uhr, MDR

 

Drehorte:
Hohenstein–Ernstthal, Waldenburg, Amerika, Chemnitz, Waldheim, Osterstein, Radebeul, Mittweida, Radebeul

Regisseur Hans-Michael Marten erklärt seine Intentionen beim Dreh in Hohnstein-Ernstal
Regisseur Hans-Michael Marten erklärt seine Intentionen beim Dreh in Hohnstein-Ernstal

Der Regisseur: Hans-Michael Marten

Der Regisseur und Autor wurde 1959 geboren. Nach der Schule erlernte er den Beruf des Feinblechners. Danach machte er Abitur und begann 1981 ein Schauspielstudium an der Hochschule für Schauspielkunst „Ernst Busch“ in Berlin.

Von 1982 bis 1985 arbeitete er als Regieassistent für das DDR-Fernsehen. 1986 begann er ein Regiestudium an der Hochschule für Film und Fernsehen in Potsdam Babelsberg.

Von 1987-1991 arbeitete Hans-Michael Marten als Regisseur für den Deutschen Fernsehfunk. Seit 1992 ist er freiberuflich als Regisseur und Autor tätig und nennt sich gern „Kulturarbeiter“.

Hans-Michael Marten und Peter Grätz beim Dreh in Amerika.
Hans-Michael Marten und Peter Grätz beim Dreh in Amerika.

Der Kameramann: Peter Grätz

Der Kameramann wurde 1950 geboren. Er absolvierte sein das Studium an der Hochschule für Film und Fernsehen "Konrad Wolf“ in Potsdam - Babelsberg und begann 1974 beim Fernsehen der DDR.

Seit 1992 ist er als freiberuflicher Kameramann und Steadycam operator für Film und Fernsehen weltweit unterwegs. Seinen Ruf als „Bildermaler“ erarbeitete er sich bei zahlreichen Reportagen, Dokumentar – und Featureproduktionen, u.a.:

„Haus der Schamanen“ (Georeportage), „Wohnungen Gottes“ ( 3 teilige ZDF – Reportage), „Süßer Traum Schokolade“ (Feature), „Leute gibt`s“ (6 Teile für MDR Unterhaltung). Für die OTTONIA Media GmbH drehte er in diesem Jahr die „Geschichte Europas“.

Der Autor: Lutz Pehnert

Der Autor und Filmemacher wurde 1961 in Berlin geboren. Nach der Schule erlernte er den Beruf des Schriftsetzers. Danach volontierte er bei der Tageszeitung "Junge Welt" und war dort von 1982 bis 1995 als "Feuilleton" - Redakteur tätig. Außerdem schrieb er für verschiedene Zeitschriften und Magazine. Seit 1995 arbeitet er als TV-Journalist für Kulturmagazine (u.a. ARD - Kulturreport, MDR - Kulturjournal "artour"). Er drehte zahlreiche Reportagen, Feature und Dokumentarfilme für ARD, Arte, MDR und RBB (u.a. "Brand", 1997 im Forum der Internationalen Filmfestspiele Berlin). Auch an der "Geschichte Mitteldeutschlands" wirkte er bereits als Autor und Regisseur mit und realisierte die Filme "Strafe, Recht & Willkür" sowie "Mörder, Häscher & "Halunken".

Der Fachberater: Dr. Christian Heermann

Dr. Christian Heermann ist studierter Mathematiker und lehrte 30 Jahre an der Leipziger Alma Mater. Der mittlerweile 68-jährige Karl-May-Enthusiast ist seit 12 Jahren Vorsitzender des wissenschaftlichen Beirates „Karl-May-Haus“ in Hohenstein-Ernstthal, des Freundeskreis „Karl May Leipzig e.V.“ und Vorstandsmitglied des Fördervereins „Freie Literaturgesellschaft“.

Er ist Autor bzw. Mitautor von 11 Büchern zu Karl May und weiterer Werke. Mit „Winnetous Blutsbruder“ schrieb er 2002 eine aktualisierte Neuauflage seiner May-Biographie „Der Mann der Old Shatterhand war“. Über 300 Zeitungsbeiträge veröffentlichte Dr. Heermann über das Leben von Karl May, außerdem verfasste er Kriminalromane („Der Würger von Notting Hill“ – Große Londoner Kriminalfälle).

Die DarstellerInnen

Tobias Schulze - Karl May, 20 – 40 Jahre
Volker Köllner - Karl May, 50 – 70
Conny Wolter - Emma Pollmer
Heike Ronniger - Klara Plöhn

Das Projekt-Team

Redaktion: Winifred König
Autoren: Lutz Pehnert
Regisseur: Michael Marten
Kamera: Peter Grätz
Producer: Gabriela Reichelt
Aufnahmeleitung: Tilo Gläser

Kostüm: Manuela Samson, Mira Holecek
Maske: Nadine Ostafinski
Ausstattung/Requisite: Thomas Gräbner, Frank Müller
Recherche: Ralf Höhn