Bei Nacht, mit 11 anderen Nonnen, flieht sie über die Klostermauer. Nach einer turbulenten Flucht kommt Katharina mit ihren Gefährtinnen in Wittenberg an. Die meisten der ehemaligen Nonnen werden sehr schnell verheiratet. Nur Katharina nicht. In dieser Zeit lebt sie im Hause des Bürgermeisters Reichenbach, dann bei Lukas Cranach und verliebt sich in den Nürnberger Patriziersohn Hieronymus Baumgärtner. Doch dieser wird nach Hause zurückbeordert und standesgemäß verheiratet. Und auch Luther hatte zunächst ein Auge auf eine andere geworfen.
Doch nach einigen Wirren finden Katharina und Luther schließlich 1525, auf dem Höhepunkt des Bauernkrieges, zueinander. Katharina managt fortan Luthers Anwesen und die Finanzen in „Gutsherrin Art“. Sie betreibt eine Burse, eine Pension für Studenten und verschiedene Güter. In nur 15 Jahren macht sie aus dem Hause Luther ein gut florierendes mittelständisches Unternehmen und aus ihrem Mann einen der größten Grundbesitzer Wittenbergs. „Sie hat allein die ganze Herrschaft in ihrer Hand“ sagt Luther einmal. Ihre Bildung, ihr Selbstbewusstsein, ihr Stolz, ihre Erfolge machen sie auch zur Vorzeigefrau der Reformation. Schwere Krankheiten, die gemeinsamen Kinder, der Hass der Reformationsfeinde und die wirtschaftlichen Erfolge schweißen Katharina von Bora und Martin Luther zusammen. In vielen Texten hebt er hervor, dass sein Werk und dass der Reformation nicht so gut gediehen wäre, ohne die tüchtige, sorgende und Anteil nehmende Käte. „Er preise sich von Herzen glücklich, dass ihm Gott eine so folgsame, bescheidene und kluge Gemahlin geschenkt…“
Nach Luthers Tod flieht Katharina im Winter 1546 mit ihren Kindern nach Magdeburg, weil der Kaiser Wittenberg belagert. Die „arme und itzt von jedermann verlassene Witwe“ muss gegen patriarchalische Obrigkeit und männliche Autoritäten um Luthers Erbe kämpfen, „Bettelbriefe“ an Fürsten und Könige schreiben. Als sie ins „Schwarze Kloster“ zurückkommt, ist ihr Besitz zerstört, in Wittenberg wütet die Pest. Auf der Flucht vor der todbringenden Epidemie stürzt die 53jährige Katharina mit dem Pferdefuhrwerk, erleidet mehrfache Hüft- und Knochenbrüche, von denen sie sich nicht mehr erholt.
Katharina von Bora, "die Lutherin“, wie sie von ihrem Mann oft genannt wurde, stirbt am 20.12.1552 in Torgau.
Sendung:
20.09.2009, 20.15 Uhr, MDR
Drehorte:
Wittenberg, Nimbschen, Torgau, Brehna, Allstedt, Halle, Memleben