Katharina von Bora – Nonne, Geschäftsfrau, Luthers Weib

Keuschheit könne man ebenso wenig geloben, wie die Nase auf dem Rücken zu tragen, lautet eine der Thesen des Reformators Martin Luther. Als der aufrührerische Mönch die entlaufene Nonne Katharina von Bora heiratet, löst das einen Skandal aus. „Mönchshure“ nennt die katholische Kirche Katharina – und macht sie damit berühmt.

Für die junge sächsische Adlige ist das Mittelalter am Karsamstag 1523 vorbei, als sie aus dem Kloster Marienthron in Nimbschen bei Grimma flieht. Seit 1515 mit Gott verheiratet und kahlgeschoren, ist Katharina selbstbewusst, gebildet und eigensinnig. Sie deutet die Zeichen der neuen Zeit auf ihre Weise: 

Von Katharina von Bora, der Frau Luthers, weiß man eigentlich recht wenig.

Katharina wird schon als kleines Mädchen ins Kloster gegeben.

1523 flieht sie nach Wittenberg, zum inzwischen weltbekannten Reformator Luther.

Dieser findet keinen Mann für sie und heiratet sie kurzerhand selbst.

Die beiden sind ein ungleiches Paar. Sie ist 26 und er ist 42 Jahre alt.

Von Bora ist eine intelligente, aber auch fleißige Frau. Sie organisiert Luthers Haushalt.

Schnell macht sie aus dem Anwesen Luthers ein florierendes Unternehmen.

Sie richtet unter anderem eine Herberge für Studenten mit Vollverpflegung ein.

Luther muss nur noch die Verträge unterschreiben und bezahlen.

Hier entsteht gerade eine Szene, die "Käthe" mit ihren Angestellten zeigt.

Matthias Tschiedel in seinem Element.

Doch es gibt nicht nur gute Jahre: zwei ihrer Kinder sterben.

Nach Luthers Tod wird es für Katharina (Kati Krasse) schwer.

Mehrere Händler verweigern ihr den Verkauf, weil sie fürchten, kein Geld zu bekommen.

Matthias Tschiedel und sein Assistent Andreas Blechschmidt bereiten sich auf den Dreh vor.

1552 hat von Bora einen Unfall, an dessen Folgen sie Ende des Jahres stirbt.

Regisseur Dirk Otto bei der Organisation.
(alle Bilder: Andreas Lander)

Katharina von Bora (Kati Krasse, li.) (Bild: Andreas Lander)
Katharina von Bora (Kati Krasse, li.)
Katharina und ihre Begleiterinnen fliehen aus Nimbschen (Bild: Andreas Lander)
Katharina und ihre Begleiterinnen fliehen aus Nimbschen
Luther (M. Hummitzsch) und Katharina im Gespräch (Bild: Andreas Lander)
Luther (M. Hummitzsch) und Katharina im Gespräch

Bei Nacht, mit 11 anderen Nonnen, flieht sie über die Klostermauer. Nach einer turbulenten Flucht kommt Katharina mit ihren Gefährtinnen in Wittenberg an. Die meisten der ehemaligen Nonnen werden sehr schnell verheiratet. Nur Katharina nicht. In dieser Zeit lebt sie im Hause des Bürgermeisters Reichenbach, dann bei Lukas Cranach und verliebt sich in den Nürnberger Patriziersohn Hieronymus Baumgärtner. Doch dieser wird nach Hause zurückbeordert und standesgemäß verheiratet. Und auch Luther hatte zunächst ein Auge auf eine andere geworfen.

Doch nach einigen Wirren finden Katharina und Luther schließlich 1525, auf dem Höhepunkt des Bauernkrieges, zueinander. Katharina managt fortan Luthers Anwesen und die Finanzen in „Gutsherrin Art“. Sie betreibt eine Burse, eine Pension für Studenten und verschiedene Güter. In nur 15 Jahren macht sie aus dem Hause Luther ein gut florierendes mittelständisches Unternehmen und aus ihrem Mann einen der größten Grundbesitzer Wittenbergs. „Sie hat allein die ganze Herrschaft in ihrer Hand“ sagt Luther einmal. Ihre Bildung, ihr Selbstbewusstsein, ihr Stolz, ihre Erfolge machen sie auch zur Vorzeigefrau der Reformation. Schwere Krankheiten, die gemeinsamen Kinder, der Hass der Reformationsfeinde und die wirtschaftlichen Erfolge schweißen Katharina von Bora und Martin Luther zusammen. In vielen Texten hebt er hervor, dass sein Werk und dass der Reformation nicht so gut gediehen wäre, ohne die tüchtige, sorgende und Anteil nehmende Käte. „Er preise sich von Herzen glücklich, dass ihm Gott eine so folgsame, bescheidene und kluge Gemahlin geschenkt…“

Nach Luthers Tod flieht Katharina im Winter 1546 mit ihren Kindern nach Magdeburg, weil der Kaiser Wittenberg belagert. Die „arme und itzt von jedermann verlassene Witwe“ muss gegen patriarchalische Obrigkeit und männliche Autoritäten um Luthers Erbe kämpfen, „Bettelbriefe“ an Fürsten und Könige schreiben. Als sie ins „Schwarze Kloster“ zurückkommt, ist ihr Besitz zerstört, in Wittenberg wütet die Pest. Auf der Flucht vor der todbringenden Epidemie stürzt die 53jährige Katharina mit dem Pferdefuhrwerk, erleidet mehrfache Hüft- und Knochenbrüche, von denen sie sich nicht mehr erholt.

Katharina von Bora, "die Lutherin“, wie sie von ihrem Mann oft genannt wurde, stirbt am 20.12.1552 in Torgau.


Sendung:
20.09.2009, 20.15 Uhr, MDR

Drehorte:
Wittenberg, Nimbschen, Torgau, Brehna, Allstedt, Halle, Memleben

Die historische Persönlichkeit Katharina von Bora, genannt "Die Lutherin" (1499-1552)

Katharina von Bora in jungen Jahren (Nicole Janze) (Bild: Andreas Lander)
Katharina von Bora in jungen Jahren (Nicole Janze)
Martin Luther bietet Katharina und den anderen geflohenen Nonnen Zuflucht (Bild: Andreas Lander)
Martin Luther bietet Katharina und den anderen geflohenen Nonnen Zuflucht
Auf der Flucht vor der Pest stürzt Katharina schwer (Bild: Andreas Lander)
Auf der Flucht vor der Pest stürzt Katharina schwer

Über Katharinas Leben vor ihrer Ehe mit Martin Luther ist kaum etwas bekannt. Als kleines Mädchen wird sie zunächst ins Kloster Brehna und dann ins Kloster Nimbschen bei Grimma gegeben und Novizin bei den Zister- zienserinnen. Mit 16 Jahren wird sie zur Nonne geweiht und verspricht, fortan eine Braut Christi zu sein. Im Kloster führt sie ein strenges, aber behütetes Leben. Sie erwirbt Kenntnisse in Haus -und Landwirtschaft, Gärtnerei und Heilkunst.

Beeinflusst von den reformatorischen Ideen Luthers, entschließt sie sich Ostern 1523 mit ihrer Freundin Ave von Schönfeld und 10 weiteren Nonnen zur Flucht. In Wittenberg angekommen, übernimmt Luther die Verantwortung für die Geflohenen. Alle geflohenen Nonnen müssen abgesichert und mit Ehemännern versorgt werden. Nach einigem Hin und Her finden schließlich Luther und Katharina im Sommer 1525 zueinander. Sie ist 26, er 42 Jahre alt. Es ist keine Liebesheirat, sondern eine Vernunftehe, anfangs zumindest. Die Liebe kommt später. Katharina sollte Luther sechs Kinder gebären. 3 Mädchen, von denen 2 sterben, und 3 Jungen. Gegen diese Ehe waren sowohl Feinde als auch Freunde Luthers. „Nicht diese, sondern eine andere“ forderten sie. Es war nur ein Vorgeschmack auf die Anfeindungen, die Katharina noch ausstehen sollte. Luthers Habe zum Zeitpunkt der Eheschließung war mehr als bescheiden. Das sollte sich mit Katharina ändern. Sie verwandelt im Laufe der Zeit das verwahrloste Schwarze Kloster in ein gut gehendes Unternehmen und in ein wohnliches Heim mit kostbaren Kachelöfen, einer großen Badestube, Zimmerbrunnen zum Reinigen der Hände, einer Latrine. Katharina handelt, Luther unterschreibt die Rechnungen und zahlt, denn sie hat als Frau dafür keine Befugnis. Sein Respekt oder gar Stolz auf die tüchtige Wirtschafterin äußert sich in den Anreden seiner Briefe. So nennt er sie beispielsweise „Herr Käthe“. Auch werden die Kinder bis zum 6. Lebensjahr von Katharina selbst unterrichtet, dann übernehmen Hauslehrer die Söhne, während die Töchter weiterhin von der Mutter unterwiesen werden.

Nach Luthers Tod verändert sich ihr Status dramatisch. Händler verweigern ihr die Ware, weil sie fürchten, nicht mehr bezahlt zu werden. Obwohl Luther sie per Testament als Vormund für die Kinder eingesetzt hat, braucht die Witwe selbst einen Vormund. Neben ihrer unsicheren rechtlichen Lage muss sie mehrmals aus Wittenberg fliehen, schon 6 Monate nach Luthers Tod bedrohen kaiserliche katholische Truppen die Stadt. Vergeblich versucht sie, an den Hof des dänischen Königs zu gelangen. Nach ihrer Rückkehr schlägt sie sich mit fremder Hilfe und Spenden durch, schreibt überall hin Bettelbriefe. 1552 versucht sie der Pest zu entkommen, die wieder einmal in Wittenberg ausgebrochen ist. Auf der Flucht erleidet Katharina einen Unfall, von dem sie sich nicht mehr erholen soll.

Kurz vor Weihnachten 1552 stirbt sie in Torgau und wird in der Marienkirche beigesetzt, dort, wo sonst nur Mitglieder der Fürstenfamilie und hohe Würdenträger begraben werden. 

Regisseur Dirk Otto (re.) instruiert Kameramann Matthias Tschiedel (Bild: Andreas Lander)
Regisseur Dirk Otto (re.) instruiert Kameramann Matthias Tschiedel

Der Regisseur: Dirk Otto

Während seines Regie-Studiums an der Filmhochschule in Potsdam-Babelsberg und als Regisseur im DEFA-Studio Babelsberg drehte Dirk Otto bis 1991 Kino- und TV-Filme verschiedenster Genres, z.B. „Als wir leben wollten“, „Clochards“, „Der letzte Morgen“ oder „Wir bleiben hier“. Ab 1992 war er Regisseur und Autor für Produktionsfirmen in Potsdam-Babelsberg, Berlin, Köln, Paris, München und Leipzig u.a. für den WDR, RTL, ARTE und MDR, SFB, ORB: u.a. „Helden a.D.“, „Märkisches Burgenland“, „Ravensbrück“.

Seit 1998 ist Dirk Otto für DREFA und OTTONIA auch Producer von TV- Filmen wie „Hitlers schwarzer Orden“ (ARD) und Mitautor, Producer und Regisseur von Filmen der Geschichte Mitteldeutschlands, u. a. „Theophanu“, 2004, „Kaiser Heinrich IV.“, 2007 und „Albrecht der Entartete“, 2008. 

 

Matthias Tschiedel (li.) und Assistent Andreas Blechschmidt (Bild: Andreas Lander)
Matthias Tschiedel (li.) und Assistent Andreas Blechschmidt

Der Kameramann: Matthias Tschiedel

Seine Ausbildung absolvierte Matthias Tschiedel an der Filmhochschule HFF Babelsberg. Im Jahre 1987 erhielt er den Kamerapreis des Internationalen Studentenfilmfestival in Babelsberg und wurde zwei Mal („Keine Liebe, kein Leben“, 1994; „Wer anhält stirbt“, 1996) für den Deutschen Kamerapreis nominiert. Seine bevorzugten Arbeitsbereiche sind Spiel-, Fernseh- und Dokumentarfilme, sowie Werbaufnahmen. Während seiner langjährigen Tätigkeit sammelte er diverse Dreherfahrungen im Ausland, in Italien, Panama, Polen, Russland, Spanien, Schweiz, Tschechische Republik und Ungarn. Mehrfach mitgewirkt hat er in der TV-Filmreihe „Tatort“ und in Spielfilmen wie „Herz ohne Krone“ (2003) und „Kein Spiel“ (2007).

Für die „Geschichte Mitteldeutschlands“ war er 2008 für „Glück ohne Ruh – Goethe und die Liebe“ tätig.

Der Autor - Lew Hohmann

Lew Hohmann, 1944 im polnischen Schmiedeberg geboren, studierte Regie an der Filmhochschule Potsdam - Babelsberg. Fast 20 Jahre arbeitete er als Autor und Regisseur im DEFA - Dokumentarfilmstudio. Von 1991 bis 1997 entwickelte Lew Hohmann als Geschäftsführer und Produzent der Filmproduktion „Tele Potsdam“ mehrere TV-Formate. Heute ist er freier Filmemacher und Professor an der Hochschule Magdeburg-Stendal in den Bereichen Medienrecht, Internationale Medienwirtschaft und Produkte, Märkte, Dokumentarfilm. Er hat insgesamt etwa 50 Filme gedreht, so zum Beispiel 1979 über den Thomanerchor, zwischen 1985 und 1998 entstand die „Wolf-Trilogie“, 1998 „Die Brandenburger", 1999/2000 „Die Preußen-Chronik", 2002 „Deutschland und Polen".

Für die Reihe „Geschichte Mitteldeutschlands“ hat er bereits mehrfach als Autor und Regisseur gearbeitet. Es begann 2003 mit der Dokumentation über Martin Luther, es folgten Filme über Johann Sebastian Bach (2004), Hugo Junkers (2005), Reinhard Heydrich (2006), Alfred Brehm (2007) und Felix Graf von Luckner (2008). 

Der Fachberater - Dr. Martin Treu

Sein Studium absolvierte er von 1974 bis 1982 an der Universität Halle-Wittenberg. Nach dem Studium schrieb Treu seine Doktor- arbeit über "Die Seelsorge bei Martin Luther“. Seit 1984 beschäftigt er sich im Lutherhaus-Wittenberg, das er von 1990 bis 1997 sogar leitete, mit dem großen Reformator. Neben Veröffentlichungen zu Luther, der Reformation und dem Humanismus ist er vor allem als Kurator historischer Ausstellungen tätig.

Der Luther-Fachmann stand schon bei zahlreichen Fernsehfilmen namhaften Schauspielern wie Peter Ustinov mit Rat und Tat zur Seite.

Die DarstellerInnen

Martin Luther - Matthias Hummitzsch
Katharina von Bora I - Nicole Janze
Katharina von Bora II - Kati Krasse 

Das Projekt-Team

Buch: Lew Hohmann
Regie: Dirk Otto
Kamera: Matthias Tschiedel
Kamera-Assistenz: Andreas Blechschmidt, Arved von zur Mühlen
Licht: Dirk Zebunke
Kostüm: Jan Hoffmann
Maske: Nadine Tschöpe
Ausstattung: Friederike Meintke, Hartmut Behder
Schnitt: Daniel König
Musik: Maik Hartung
Fachberater: Dr. Martin Treu    
Aufnahmeleitung: Jürgen Brendel
Aufnahmeleitung-Assistenz: Verena Schwarz

Recherchen: Tina Oelzner
Produktion: Sascha Beier
Producerin: Gabriela Reichelt
Redaktion: Winifred König
Leitung: Dr. Claudia Schreiner