Martin Bormann – Hitlers braune Eminenz

Als sich im November 1945 die Hauptkriegsverbrecher des Nazireichs vor dem Internationalen Militärgerichtshof in Nürnberg verantworten müssen, erscheint einer der 23 Angeklagten nicht. Martin Bormann, der „Sekretär des Führers“ ist unauffindbar. Vergeblich hatten die Alliierten nach ihm gesucht.

Fahndungsplakate und Radioaufrufe blieben ohne Resonanz. Wie auch, kaum einer der besiegten Deutschen kannte den Mann, weder seinen Namen, noch sein Gesicht. Umso besser können sich die in Nürnberg vor Gericht stehenden Angeklagten seiner erinnern. Und je länger der Prozess dauert, umso deutlicher wird, eines klar: 

Martin Bormann (Olaf Hais) galt als zweitmächtigster Mann in Hitlers Reich.

Bild: Michael Baumgärtel

Regisseur André Meier überdenkt die nächste Einstellung.

Bild: Michael Baumgärtel

Bormann war bei bei seinen Parteikameraden und dem Militär unbeliebt.

Bild: Michael Baumgärtel

Jedoch war er sogar von Nazigrößen wie Himmler sehr gefürchtet.

Bild: Michael Baumgärtel

Er entschied unter anderem über Beförderungen in der Partei.

Bild: Michael Baumgärtel

Deshalb war es förderlich für die Karriere, sich mit ihm abzugeben.

Bild: Michael Baumgärtel

Er war Bürokrat. So wurde er der "Sekretär des Führers".

Bild: Michael Baumgärtel

Das Team dreht eine Spielszene:


Bild: Michael Baumgärtel

Bormann beim Billardspielen.


Bild: Michael Baumgärtel

Neun Kinder schenkte Gerda Bormann ihrem Gatten.

Bild: Michael Baumgärtel

Regisseur André Meier stimmt sich mit Kameramann André Böhm ab.

Bild: Michael Baumgärtel

Der Regisseur erläutert die nächste Szene persönlich.

Bild: Michael Baumgärtel

Bormann muss seine Affären nicht verheimlichen. Seine Frau freut sich darüber.

Bild: Sascha Beier

Bormann beginnt als Gaupressewart. Bald darauf übernimmt er die SA-Versicherung.

Bild: Sascha Beier

Ein Dreh beinhaltet auch eine ganze Menge Kopfarbeit für die Verantwortlichen

Bild: Sascha Beier

Katharina Hauck spielt Eva Braun. Hitlers Geliebte verstand sich gut mit der Familie.

Bild: Sascha Beier

André Meier zeigt die nächste Szene. Als Autor weis er, wie sie am besten wirkt.

Bild: Sascha Beier

Nach Hitlers Tod versucht Bormann zu fliehen. 1972 wird seine Leiche gefunden.

Bild: Michael Baumgärtel

Martin Bormann (Bild: Sascha Beier)
Martin Bormann
Bormann gemeinsam mit seiner schwangeren Frau Gerda (Bild: Michael Baumgärtel)
Bormann gemeinsam mit seiner schwangeren Frau Gerda

Der große Unbekannte, das Phantom Bormann, muss neben Hitler offenbar der am meisten gefürchtete und mächtigste Mann des Dritten Reichs gewesen sein. „Den entscheidenden Einfluss während des Krieges auf die Person des Führers“, gibt Hermann Göring im März 1946 zu Protokoll, „hatte Herr Bormann.“ Und der Angeklagte Hans Fritsche, als ranghöchster Vertreter des NS-Propagandaministeriums vor Gericht gestellt, pflichtet ihm bei: „Sogar Goebbels hatte eine ausgesprochene Angst vor Martin Bormann“.

Wollten die Angeklagten nur von ihrer eigenen Schuld ablenken? Oder war dieser, wie vom Erdboden verschluckte, Bormann wirklich Hitlers wichtigster Vasall, die von Goebbels und Göring gleichermaßen gefürchtete Nummer 2 in der NS- Hierarchie? Und wenn ja, wie konnte es dieser abgebrochene Abiturient aus Halberstadt so weit bringen und warum hat kaum ein Deutscher etwas von seinem unaufhaltsamen Aufstieg mitbekommen? War Bormann der „böse Erzengel an der Seite des Teufels Hitler“, wie der amerikanische Ankläger Thomas F. Lambert in Nürnberg behauptete? Und ist er tatsächlich, wie Zeugen in Nürnberg behaupten, gemeinsam mit seinem Herrn in den Trümmern von Berlin zurück in die Hölle gefahren?

Das sind die Fragen, auf die dieser Film der Reihe „Geschichte Mittel- deutschlands“ eine Antwort sucht.


Sendung:
26.10.2008, MDR, 20:15

Drehorte:
Nürnberg, München, Dachau, Obersalzberg, Weimar, Parchim, Berlin, Wyhra, Panitzsch, Leipzig, Beierhaus

Die historische Persönlichkeit Martin Bormann (1900-1945)

Olaf Hais verkörpert Martin Bormann (Bild: Michael Baumgärtel)
Olaf Hais verkörpert Martin Bormann
Bormann – wieviel Macht hatte er tatsächlich? (Bild: Michael Baumgärtel)
Bormann – wieviel Macht hatte er tatsächlich?
Bormann agierte im Schatten Hitlers (Bild: Michael Baumgärtel)
Bormann agierte im Schatten Hitlers

Geboren wird Martin Bormann am 17. Juni 1900 in Halberstadt. Nach Beendigung seiner Schulzeit 1918/1919 dient er als Kanonier im Ersten Weltkrieg, jedoch ohne je an einer Kampfhandlung teilgenommen zu haben.

1920 beginnt Bormann eine Ausbildung als Landwirtschaftslehrling auf einem mecklenburgischen Gut. Dort ist er ehrenamtlich tätig im Traditionsverband des ehemaligen Freikorps Rossbach. 1924 verbüßt er eine einjährige Haftstrafe, wegen seiner Verwicklungen im Mordfall Kadow, dem so genannten Parchimer Fememord.

Nach seinem Eintritt in die NSDAP, 1927, übernimmt Bormann zunächst die Tätigkeit des Gaupressewarts in Thüringen. Ab 1932 ist er der erste Leiter der Hilfskasse der NSDAP, einer Unfallversicherung zur Unterstützung der Parteimitglieder, die bei Auseinandersetzungen mit politischen Gegnern verletzt wurden. Im Juli 1933 erfolgt die Ernennung Bormanns zum Stabsleiter bei Hitlers Stellvertreter Rudolf Heß und zum Reichsleiter der NSDAP. Weiterhin wird ihm, die Verwaltung des Hitlerschen Privatvermögens sowie die Bewirtschaftung und Verwaltung des „Berghofs“ und des gesamten Arsenals auf dem Obersalzberg übertragen.

Nach dem Englandflug von Heß, im Mai 1941, übernimmt er dessen Dienststelle, die in „Parteikanzlei“ umbenannt wird. Das bedeutet für ihn die Kontrolle über die Legislative und sämtliche Ernennungen und Beförderungen innerhalb der Partei.

Am 9. Oktober 1942 unterzeichnet Bormann einen Erlass, der die endgültige Beseitigung der Juden aus den Gebieten Deutschlands nicht mehr durch Vertreibung, sondern durch Anwendung rücksichtsloser Gewalt in den Sonderlagern des Ostens anordnet. Im kommenden Jahr erfolgt seine Ernennung zum „Sekretär des Führers“. Eine Position, die ihn allmählich dazu befähigt, dass jede Eingabe an Hitler, aus dem Bereich der Partei und ihren Organisationen von Bormann gegengezeichnet werden muss. Kurz vor Kriegsende mobilisiert er nocheinmal die letzten Reserven des Reiches, in Form des Volkssturms.

Den Untergang verbringt Bormann gemeinsam mit Hitler und anderen treuen Gefolgsleuten im Führerbunker. Nach dem Selbstmord Hitlers unternimmt er einen Ausbruchsversuch und galt seither als verschwunden. Am 1. Oktober 1946 wird er von dem Internationalen Militärgerichtshof in Nürnberg in Abwesenheit zum Tode verurteilt. Obwohl Arthur Axmann, ehemaliger Reichsjugendführer, berichtet, er habe die Leiche Bormanns in der Nähe des Führerbunkers gesehen.

Erst im Jahre 1973 wird er offiziell für Tod erklärt, da die bei Bauarbeiten in Berlin gefundene Leiche zweifelsfrei als die von Martin Bormann identifiziert wurde. 

Regisseur André Meier „inspiziert“ historische Unterlagen (Bild: Michael Baumgärtel)
Regisseur André Meier „inspiziert“ historische Unterlagen

Der Autor und Regisseur: André Meier

André Meier wurde 1960 in Berlin geboren. Er studierte Kunstgeschichte und arbeitet seit 1992 als freier Autor für Presse, Rundfunk, Fernsehen und Theater.

Er ist als Redakteur der Berliner Tageszeitung taz und als Korrespondent für die Kunstzeitschrift „Art“ in Hamburg tätig. 1999 publizierte er den Roman „Fixies“ (Aufbau-Verlag). 2008 „Die kleine Aussteigerfibel“ (Seitenstraßen- verlag). 2009 folgte das Buch „Die Geburt des radikalen Islamismus aus dem Hüftspeck des deutschen Schlagers“ (Rowohlt-Verlag). André Meier ist Autor und Regisseur zahlreicher TV-Produktionen.

Für die „Geschichte Mitteldeutschlands“ ist André Meier seit 2001 regelmäßig als Autor und Regisseur tätig.

Kameramann André Böhm (re.) bespricht die nächste Szene gemeinsam mit Regisseur André Meier (Bild: Michael Baumgärtel)
Kameramann André Böhm (re.) bespricht die nächste Szene gemeinsam mit Regisseur André Meier

Der Kameramann: André Böhm

André Böhm, Jahrgang 1962, absolvierte das Studium zum Kameramann an der Hochschule für Film und Fernsehen „Konrad Wolf“ in Potsdam-Babelsberg. Nach erfolgreichem Abschluss arbeitete er beim DDR- Fernsehen. Seit 1992 ist er freiberuflich tätig und dreht vor allem Reportagen und Dokumentationen (u.a. „Bilderbuch Deutschland“ und „Legenden“) sowie für verschiedene Kulturmagazine. Seine aktuellen Produktionen sind eine 90minütige Dokumentation für Guido Knopp über Werner von Braun und Porträts über Thomas Quasthoff, Iris Berben und Kurt Masur in der ARD-Reihe „Deutschland, deine Künstler“.

Nach den Filmen über Friedrich August III. (2003), Otto von Bismarck (2004), Kunz von Kaufungen (2005), Walter Ulbricht (2006) und Moritz Schreber (2007) ist dies nun seine sechste Dokumentation in der Reihe Zur Geschichte Mitteldeutschlands.

Der Fachberater: Armin Nolzen

Die Forschungsschwerpunkte des Historikers Armin Nolzen, geboren 1968, sind Geschichte der faschistischen Bewegung des 20. Jahrhunderts, Vergleichende Diktatorforschung, Geschichte autoritärer Regime nach 1945, historische Sozialisationsforschung und Geschichte von Jugend und Familie.

Studiert hat er Geschichtswissenschaft, Germanistik, Sozialwissenschaften und Philosophie an der Ruhr-Universität in Bochum. Den Grad des Magister Artium erlangte er dort 1994 an der Fakultät für Geschichtswissenschaften. Momentan arbeitet Armin Nolzen an seiner Dissertation zu „Rudolf Hess, Martin Bormann und die Geschichte der NSDAP, 1933–1945“.

Die DarstellerInnen

Olaf Hais - Martin Bormann
Melanie Krabs – Gerda Bormann
Katharina Hauck – Eva Braun 

Das Projekt-Team

Autor: André Meier
Kamera: André Böhm
Kameraassistent: Arved von zur Mühlen
Licht: Dirk Zebunke
Kostüm: Manuela Samson
Maske: Nadine Ostafinski
Ausstattung: Ulrike Schwarzburger
Musik: Serjoscha Stüven
Schnitt: Hanka Knipper
Aufnahmeleitung: Irena Walinda
            
Recherchen: Manuela Stelmaszyk
Producerin: Gabriele Reichelt
Redaktion: Winifred König
Leitung: Claudia Schreiner