Friedrich Schiller - Dichterfürst und Frauenliebling

„Das Theater glich einem Irrenhause, rollende Augen, geballte Fäuste, heisere Aufschreie im Zuschauerraum. Fremde Menschen fielen einander schluchzend in die Arme, Frauen wankten, einer Ohnmacht nahe, zur Türe. Es war eine allgemeine Auflösung wie im Chaos, aus dessen Nebeln eine neue Schöpfung hervorbricht.“ So berichtet ein Augenzeuge von der Uraufführung der „Räuber“ 1782 in Mannheim.

Der Verfasser des Stückes ist ein unbekannter Regimentsmedikus aus Stuttgart – Friedrich Schiller, gerade 23 Jahre alt.

Der württembergische Herzog Carl Eugen reagiert auf den plötzlichen Ruhm seines Schützlings mit Arrest und verbietet das „Komödienschreiben“ ein für alle mal.

Wegen eines Schreibverbots floh Schiller vor dem Herzog, in dessen Dienst er stand.

Dieses Bild zeigt das Ehepaar Schiller im Alter.

Das Dichterpaar der Klassik - Goethe (Karl Albert, li.) und Schiller.

Schiller war ein geselliger Mensch.

Regisseur Dirk Otto (mi.) weist die Schauspieler ein.

Schon zu Lebzeiten galt Schiller als Klassiker der deutschen Literatur.

Im Beulwitzschen Salon traf sich die intellektuelle Elite der damaligen Zeit.

Schiller begibt sich auf den Heimweg.
(alle Bilder: MDR)

Wegen eines Schreibverbots floh Schiller vor Herzog Karl Eugen, in dessen Dienst er stand. (Bild: MDR)
Wegen eines Schreibverbots floh Schiller vor Herzog Karl Eugen, in dessen Dienst er stand.
Im Beulwitzschen Salon traf sich die intellektuelle Elite der damaligen Zeit. Hier lernte er auch seine Frau kennen. (Bild: MDR)
Im Beulwitzschen Salon traf sich die intellektuelle Elite der damaligen Zeit. Hier lernte er auch seine Frau kennen.

7 Jahre hatte der junge Schiller in der „Militärischen Pflanzschule“ auf der Solitude bei Stuttgart bereits unter drakonischer Strenge, militärischer Disziplin, Demütigung und Entwürdigung gelitten, zunächst Jura, später Medizin studiert. Um sich dem Zugriff des Herzogs zu entziehen, bleibt ihm nur noch die Flucht. Geldnot und unglückliche Leidenschaften treiben ihn rastlos durch halb Deutschland, bis er durch die Fürsprache Goethes eine außerordentliche Professur in Jena erlangt. Sein Leben ist von Anfang an ein Kampf um bürgerliche Existenz, Würde und Anerkennung.

1790 heiratet er Charlotte von Lengefeld, die Ehe wird glücklich, 4 Kinder werden geboren. Als er 9 Jahre später mit seiner Familie nach Weimar übersiedelt, wo sich das freundschaftliche Verhältnis zu dem 10 Jahre älteren Goethe bereits gefestigt hatte, folgen die produktivsten Jahre Schillers, begründen die Beiden das, was als „Weimarer Klassik“ eine Institution ist. 1802 erhält der mittlerweile von der ganzen Nation gefeierte Schiller den erblichen Adelstitel. „Wenn nur Leben und Gesundheit bis zum 50. Jahr aushält“, schreibt er an Goethe. Doch am 9. Mai 1805, mit 45 Jahren, mitten in der Arbeit am „Demetrius“, stirbt er. Noch mehr als 30 Titel, unzählige Notizzettel mit Ideen, Skizzen und Szenarien liegen in der Schreibtischschublade. „Ich wollte nur Pfarrer werden – und bleibe hangen am Theater !“ So hatte er das Scheitern seiner bürgerlichen Karriere beschrieben.

Sendung:
29.April 2005, arte - Themenabend,
8.Mai 2005, ARD „Die große Schiller - Nacht“,
9.Mai 2005, MDR „Die Schiller – Nacht“

Drehorte:
Marbach, Lorch, Stuttgart, Bauerbach, Jena, Weimar, Arnstadt, Rudolstadt, Schloss Friedenstein und Ekhoftheater Gotha, Schloss Heidecksburg Rudolstadt

Die historische Persönlichkeit Friedrich Schiller (1759 - 1805)

Schillers Wohnhaus in Weimar
Schillers Wohnhaus in Weimar

 Friedrich Schiller wurde am 10.11.1759 als Zweites von sechs Kindern in Marbach geboren. Seine Mutter Elisabeth Dorothea ist die Tochter eines Gastwirtes, der Vater, Johann Kaspar, Leutnant. So kommt es, dass er 1773 in die „Militärische Pflanzschule“ auf Schloß Solitude eintritt. Hier startet er ein Medizinstudium. Seinen ersten Theatererfolg verbucht er 1782 mit der Uraufführung der „Räuber“ in Mannheim. Nach einem Schreibverbot vom Herzog flieht er aus Stuttgart.

1788 kommt es zur ersten Begegnung mit Goethe. Ein Jahr später bekommt er eine Geschichtsprofessur in Jena. 1790 heiratet er Charlotte von Lengefeld. Bei einer Sitzung der „Naturforschenden Gesellschaft“

1794 in Jena beginnt Zusammenarbeit mit Goethe. Es ist die Geburtsstunde der Weimarer Klassik. 1799 siedelt er mit der Familie nach Weimar über. Schiller erhält das Adelsdiplom. Es folgen intensive Schaffensjahre.

Regisseur Dirk Otto (mi.) weißt seine  Schauspieler ein.(Bild: MDR)
Regisseur Dirk Otto (mi.) weißt seine Schauspieler ein.

Der Regisseur: Dirk Otto

Während seines Regie-Studiums an der Filmhochschule in Potsdam-Babelsberg und als Regisseur im DEFA-Studio Babelsberg drehte Dirk Otto bis 1991 Kino- und TV-Filme verschiedenster Genres, z.B. „Als wir leben wollten“, „Clochards“, „Der letzte Morgen“ oder „Wir bleiben hier“. Ab 1992 war er Regisseur und Autor für Produktionsfirmen in Potsdam-Babelsberg, Berlin, Köln, Paris, München und Leipzig u.a. für den WDR, RTL, ARTE und MDR, SFB, ORB: u.a. „Helden a.D.“, „Märkisches Burgenland“, „Ravensbrück“.

Seit 1998 ist Dirk Otto für DREFA und OTTONIA auch Producer von TV- Filmen wie „Hitlers schwarzer Orden“ (ARD) und Mitautor, Producer und Regisseur von Filmen der Geschichte Mitteldeutschlands, u. a. „Theophanu“, 2004, „Kaiser Heinrich IV.“, 2007 und „Albrecht der Entartete“, 2008.

 

Kameramann Rüdiger Pelikan hat alles im Blick (Bild: Steffen Lehmann)
Kameramann Rüdiger Pelikan hat alles im Blick

Der Kameramann: Rüdiger Pelikan

Er studierte an der Hochschule Potsdam – Babelsberg. Nach seinem Abschluß 1987 erhielt er die Chance, mit dem Film "Die Weihnachtsgans Auguste" als Kameramann zu debütieren. Bis zur Auflösung der DEFA-Studios für Spielfilme 1990 folgten weitere Arbeiten als Kameramann und Standfotograf. Er arbeitete mit bekannten Regisseuren wie Klaus Gendries und Egon Günther. 1991 folgte er einem Ruf an die HFF, als Assistent im Studiengang Kamera. Seit 1998 ist Rüdiger Pelikan vornehmlich als freier Kameramann tätig.

Die Dokumentation über das Leben von Friedrich Schiller war seine erste Arbeit für die Reihe „Geschichte Mitteldeutschlands“.

Die Autorin: Winifred König

Winifred König ist seit 2001 in Personalunion Projektleiterin und MDR-Redakteurin der Reihe „Geschichte Mitteldeutschlands“. Nach dem Journalistik-Studium an der Leipziger Universität arbeitete die gestandene Fernsehfrau in verschiedenen Bereichen des DDR-Fernsehens, u.a. als Auslandskorrespondentin in Prag, als Autorin und Redakteurin der Sendereihen „Prisma" und „Kulturmagazin". Als MDR-Redakteurin war sie seit 1992 für verschiedene Kulturmagazine verantwortlich, u.a. für den ARD- Kulturreport aus Leipzig, das Kulturjournal „artour" und das arte-Kulturmagazin „metropolis".

2004 war sie Co- Autorin des Films über Johann S. Bach (2004). Der Regisseur des Bachfilms, Lew Hohmann, ist nun Co – Autor der Dokumentation über Friedrich Schiller. Lew Hohmann, der sich u. a. mit der Preußenchronik und der Geschichte der Brandenburger einen Namen gemacht hat, war auch Autor und Regisseur des GMD -Films über Martin Luther (2003).

Der Fachberater: Prof.Dr. Lothar Ehrlich

Er wurde 1943 in Halle (Saale) geboren, studierte von 1962-1966 Germanistik und Geschichte an der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg und promovierte 1970, nach wissenschaftlicher Aspirantur, zum Dr. phil. Danach war er Mitarbeiter im Wissenschaftsbereich Deutsche Literatur an der Pädagogischen Hochschule Erfurt, wurde 1980 Dr. sc. phil. und war von 1981-1985 Chefdramaturg an den Städtischen Bühnen Erfurt.

1985 wurde er Professor für Geschichte der deutschen Literatur an der Pädagogischen Hochschule Erfurt. Seit 1986 ist er in den Nationalen Forschungs- und Gedenkstätten der klassischen deutschen Literatur in Weimar tätig, heute Klassik Stiftung Weimar, gegenwärtig als Direktor für Forschung und Bildung.

Er veröffentlichte zahlreiche wissenschaftliche Publikationen zur Geschichte der deutschen Literatur, vornehmlich zu Klassik, Romantik und Vormärz sowie zur Rezeption der Weimarer Klassik im 20. Jahrhundert.

Die DarstellerInnen

Bastian Semm - Friedrich Schiller, 17 – 30 Jahre
Charles Lemming - Friedrich Schiller, 32 – 45 Jahre
Johanna Falckner - Charlotte von Lengefeld
Franziska Junge - Caroline von Wolzogen, geb. Lengefeld
Karl Albert - Johann Wolfgang von Goethe

Das Projekt-Team

Autorin: Winifred König
Co – Autor: Lew Hohmann
Regisseur: Dirk Otto
Producer: Gabriela Reichelt
Aufnahmeleitung: Sascha Beier

Kamera: Rüdiger Pelikan
Kostüm: Manuela Samson
Maske: Ragna Jornitz, Birgit Weizmann
Ausstattung/Requisite: Anette Braun, Frank Müller
Beleuchtung: Mario Erdenberger
Musik: Kai Saffran