Die vergiftete Mätresse – wie August der Starke an die Macht kam

Seit Jahrhunderten hat August der Starke als „sächsischer Sonnenkönig“ die Phantasie von Zeitgenossen und Nachgeborenen beflügelt. Dresdens Glanz und Gloria sind undenkbar ohne ihn.

Doch der Kurfürst von Sachsen und König von Polen hat seinen Ruhm dem unerwartet frühen Tod seines Bruders Johann Georg, des Erstgeborenen, zu verdanken.

Johann Georg war der Thronfolger, nicht Friedrich August. Und nahezu alles, worum August sich später verdient gemacht hat, findet seinen Anfang schon in der kurzen Regierungszeit seines Bruders.

Kurfürst Johann Georg IV. und seine Geliebte, Sibylla von Neitschütz

Oliver Chomik macht eine gute Figur als Johann Georg

Schloss Delitzsch wird im Juni 2008 vom Team in Besitz genommen

Mit einer Steadycam ins Bild gesetzt: Sibylla von Neitschütz (Karoline Teska)

Sibyllas Mutter (Beate Schulz) wird für den Dreh geschminkt

Prinzessin auf dem Kissen

Sibylla wird von ihrem Liebhaber mit Ländereien und Schmuck überhäuft

Passt nicht ganz zusammen: Karoline Teska trägt heimlich Turnschuhe

Sibylla von Neitschütz gilt als schöne Frau und steigt so zur ersten Mätresse auf

Noch hat das Paar allen Grund zum Feiern

Regisseur Hans-Michael Marten setzt das traute Paar in Szene

Die Mutter, Ursula Margarethe von Neitschütz, agiert als Kupplerin

Sibylla von Neitschütz zeigt sich nachdenklich

Ein argwöhnischer Kammerdiener beobachtet das Paar (alle Bilder: Axel Berger)

Magdalena Sibylla von Neitschütz (Karoline Teska) (Bild: Axel Berger)
Magdalena Sibylla von Neitschütz (Karoline Teska)
Johann Georg IV. (Oliver Chomik) und Sibylla im vergnügten Zwiegespräch (Bild: Axel Berger)
Johann Georg IV. (Oliver Chomik) und Sibylla im vergnügten Zwiegespräch

Umso verwunderlicher ist es, dass Johann Georg IV. und sein geheimnis- umwittertes Ende in den Geschichtsbüchern bis heute nur eine Randnotiz geblieben ist.

Gerade mal drei Jahre war Johann Georg Kurfürst, als er starb, nur wenige Wochen nach dem Tod seiner schönen Geliebten Sibylla von Neitschütz, die als Sechzehnjährige die erste offizielle Mätresse am Dresdner Hof geworden war. Die Diagnose für Mätresse und Kurfürst lautete damals: Tod durch Pocken. Doch inoffiziell brodelte die Gerüchteküche.

Dass die fürstlichen Brüder einander spinnefeind waren, war kein Geheimnis. Bald war von Giftmord die Rede. Die Zweifel am natürlichen Tod von Kurfürst Johann Georg IV. konnten nie ausgeräumt werden.

„Geschichte Mitteldeutschlands“ stellt die spannende und provokative Frage: Hatte August seine Finger im Spiel? Ist es denkbar, dass er sich durch Brudermord in den Besitz der sächsischen Krone gebracht hat?

Der Film begibt sich auf kriminalistische Spurensuche in die Archive und gelangt zu überraschenden Einsichten.



Sendung:
2. November 2008, 20:15 Uhr, MDR

Drehorte:
Schloss Weesenstein, Schloss Delitzsch, Bernburg, Lutherstadt-Wittenberg, Pretzsch, Torgau, Freiberg, Pillnitz, Weesenstein, Moritzburg

 

Die historische Persönlichkeit Magdalena Sibylla von Neitschütz (1675-1694)

Schloss Delitzsch, einer der Drehorte dieser Folge der Reihe „Geschichte Mitteldeutschlands“ (Bild: Axel Berger)
Schloss Delitzsch, einer der Drehorte dieser Folge der Reihe „Geschichte Mitteldeutschlands“

Magdalena Sibylla von Neitschütz wird als Tochter des Oberst der kurfürstlichen Leibgarde, General Rudolf von Neitschütz, und seiner Frau Ursula Margarethe am 8. Februar 1675 geboren. Ihre frühe Jugend verbringt sie am sächsischen Hof. Als Mätresse Johann Georg IV. erlangt sie innerhalb kürzester Zeit eine ausgesprochene Machtposition am sächsischen Hof. Im Februar 1693 wird Sibylla mit in den Stand der Reichsgräfin von Rochlitz erhoben. 1693 gebiert sie Johann Georg IV. eine Tochter, Wilhelmine Marie Friederike Comtesse von Rochlitz. Obwohl das Kind ein uneheliches ist, übernimmt das englische Königspaar die Rolle der Taufpaten.

Der Bestrebung Sibyllas, letztlich gar den Stand einer Reichsfürstin zu erhalten, wird durch ihre Erkrankung ein jähes Ende gesetzt. Im Herbst 1693 treten erste Krankheitsanzeichen auf. Am 4. April 1694 verstirbt Sybilla. Eine Obduktion ergibt keine Resultate hinsichtlich einer Vergiftung, dennoch kursieren Gerüchte, die Mätresse sei mit Gift getötet worden.

 

Rüdiger Pelikan inszeniert „Die vergiftete Mätresse“ (Bild: Axel Berger)
Peter Grätz inszeniert „Die vergiftete Mätresse“

Der Kameramann: Peter Grätz

Peter Grätz wurde 1950 geboren. Er absolvierte sein Studium an der Hochschule für Film und Fernsehen „Konrad Wolf“ in Potsdam - Babelsberg und begann 1974 beim Fernsehen der DDR zu arbeiten. Seit 1992 ist er als freiberuflicher Kameramann und Steadycam-Operator für Film und Fernsehen weltweit unterwegs. Seinen Ruf als „Bildermaler“ erarbeitete er sich bei zahlreichen Reportagen, Dokumentar– und Featureproduktionen, u.a. „Haus der Schamanen“ (Georeportage), „Wohnungen Gottes“ (3teilige ZDF-Reportage), „Süßer Traum Schokolade“, „Leute gibt`s“ (6 Teile für MDR Unterhaltung).

Für die „Geschichte Mitteldeutschlands“ drehte er in den vergangenen Jahren die Dokumentationen über Hugo Junkers, Karl May, Johann Friedrich Böttger sowie die Dunkelgräfin von Hildburghausen. 

Der Regisseur: Hans-Michael Marten

Der Regisseur und Autor wurde 1959 geboren. Handwerklich begabt erlernte er den Beruf des Feinblechners und arbeitet als Theaterhandwerker am Leipziger Theater. Nach seinem Abitur studierte Hans-Michael Marten drei Semester an der Hochschule für Schauspielkunst „Ernst Busch“ in Rostock. Von 1982 bis 1985 arbeitete er als Regieassistent für das DDR-Fernsehen. 1986 begann er ein Regiestudium an der Hochschule für Film und Fernsehen in Potsdam Babelsberg. Von 1987-1991 arbeitete Hans-Michael Marten als Regisseur für den Deutschen Fernsehfunk. Seit 1992 ist er freiberuflich als Regisseur und Autor tätig und nennt sich gern „Kulturarbeiter“.

Unter seiner Ägide entstandene Filme sind unter anderem „Europas Erbe – ein Kontinent im Spiegel der Geschichte“ (2004) und „Der Balaton“.

Für die „Geschichte Mitteldeutschlands“ zeichnete Hans-Michael Marten als Regisseur bereits verantwortlich für „Karl May – der Phantast aus Sachsen“ (2004), „Böttger und das Meißner Porzellan“ (2006) sowie „Die vertauschte Prinzessin – Die Dunkelgräfin von Hildburghausen“ (2007). 

Die Autorin: Leonore Brandt

Leonore Brandt ist Autorin und Filmemacherin. In den 80er Jahren produzierte sie beim DFF unter anderem Porträtfilme über Regisseure und Schauspieler wie Sergej Bondartschuk, Jean Gabin und Marlene Dietrich. Später war sie verantwortliche Literaturredakteurin der Kulturzeitung „Sonntag". Seit 1992 arbeitet sie als freie Autorin.

Ihre Arbeiten (Auswahl): Neben zahlreichen Kurzfeatures, Porträts und ARD-Buchmesse-Reportagen: „Geschlossene Gesellschaft & Ende der Illusionen – DDR-Literatur, 1961 bis 1992" ( MDR 1997/98, 2 Folgen); „Erwin Strittmatter" (arte 1998); „Grausames, zärtliches Petersburg" (MDR 1998); „Belarus – Nachrichten aus einem zerfallenen Reich" ( MDR 2000); für die Geschichte Mitteldeutschlands unter anderem: „Friedrich der Gebissene – Der letzte Staufer“ (2003), „Theophanu – Die mächtigste Frau des Abendlandes“ (2004), „Gräfin Cosel – Aufstieg und Fall einer Mätresse“ (2005),  „Katharina die Große – Die Zarin aus Zerbst“ (2006) und „Die vertauschte Prinzessin – Die Dunkelgräfin von Hildburghausen“ (2007).

Die DarstellerInnen

Karoline Teska - Sibylla von Neitschütz
Oliver Chomik - Johann Georg IV.
Michael Pietsch - Friedrich August I.
Beate Schulz - Ursula M. von Neitschütz
Claudia Runge - Prinzessin Eleonore 

Das Projekt-Team

Autorin: Leonore Brandt
Regisseur: Hans-Michael Marten
Kamera: Peter Grätz
Kamera-Assistenz: Sergej Korotkov
Licht: Dirk Zebunke
Kostüm: Anette Braun, Asja Neumann
Maske: Nadine Tschöpe
Ausstattung: Vinzent Wobeser
Requisite: Frank Müller
Musik: René Möckel
Fachberater: Dr. Anne-Simone Knöfel

Aufnahmeleitung: Jürgen Brendel
Producer: Gabriela Reichelt
Redaktion: Winifred König
Leitung: Claudia Schreiner