Am Anfang stand eine Intrige

Eine Leiche zu spielen, ist nicht einfach. Drei Minuten müssen Karoline Teska und Oliver Chomik die Luft anhalten. Das Leinentuch darf sich nicht bewegen. „Eine ruhige Schulter“, wünscht Regisseur Michael Marten seinem Kameramann: Dann geht’s los. Langsam nähert sich Peter Grätz dem Tisch, auf dem Karoline Teska als Sibylla von Neitschütz liegt. Die Sonne fällt durch das kleine Fenster und gibt dem zum Sezierzimmer umgestalteten Raum eine stimmungsvolle Atmosphäre. Im aufwändig sanierten Schloss Delitzsch drehte die OTTONIA drei Tage Szenen für „Die vergiftete Mätresse - Wie August der Starke an die Macht kam", den dritten Film der Jubiläumsstaffel der „Geschichte Mitteldeutschlands“.

Die "Leiche" ist drehbereit
Karoline Teska als Sybilla von Neitschütz (Bild: MDR/Axel Berger)

August der Starke stutzt den Strauch auf Bonsai-Größe

Schloss Delitzsch, einer der Drehorte für diese Folge zur "Geschichte Mitteldeutschlands" (Bild: MDR/Axel Berger)

Vier Füße schminken

Unter dem weißen Stoff schauen nur vier Füße hervor. Das eine Paar ist richtig schmutzig, das andere leichenblass. Die Haut ist eingerissen. Sie sind das Werk von Nadine Tschöpe. Die Maskenbildnerin ist seit vier Jahren regelmäßig bei den Dreharbeiten der Doku-Serie dabei. Meistens schminkt sie Gesichter, dreht Locken in barocke Frisuren. Füße schminken kommt schon seltener vor. Mit einer Latexmischung, Fettschminke und Wasserfarbe setzt sie die Füße von Karoline Teska und Oliver Chomik in Szene. „Hier kann ich richtig kreativ sein“, sagt sie.

Der Film von Regisseur Michael Marten und Autorin Leonore Brandt blickt auf die Anfänge der Herrschaft von Friedrich August I., genannt der Starke, zurück. Denn am Anfang seiner Regentschaft, in der er Sachsen zu barocker Größe führte, stand möglicherweise ein Verbrechen. Kurfürst Johann Georg IV., der ältere Bruder von August dem Starken, starb 1694 unter mysteriösen Umständen nach nur dreijähriger Regierungszeit. Bei seiner Mätresse Sibylla von Neitschütz soll er sich mit einer tödlichen Krankheit infiziert haben. Wenig später wird ein Apotheker tot in der Elbe gefunden. Neue Nahrung für die Gerüchte vom Giftmord. Hatte August der Starke, als Zweitgeborener ohne Aussicht auf Regentschaft, beim Tod seines Bruders selbst die Hände im Spiel?

Fechten im Burggraben

Die beiden Schauspieler, die im Film das ungleiche Brüderpaar Johann Georg und Friedrich August spielen, kennen sich gut. Im Juli erhalten sie nach vier Jahren ihr Diplom von der Hochschule für Theater und Musik in Leipzig. Michael Pietsch kam für die Dreharbeiten direkt nach der Premiere vom Oldenburgischen Staatstheater an das Set von „Geschichte Mitteldeutschlands“. Während die beiden Männer noch Neulinge im Filmgeschäft sind, kann Karoline Teska schon auf eine beachtliche Zahl an Filmen zurückblicken. Und das im jugendlichen Alter von 20 Jahren. Als sie ihren ersten Film drehte, war sie gerade einmal zwölf. Inzwischen hat sie unter anderem mit Klaus J. Behrendt in „Der Untergang der Pamir“ und zusammen mit Franka Potente in „Blueprint“ vor der Kamera gestanden. Warum „Geschichte Mitteldeutschlands“? Das Format habe sie gereizt, sagt sie. „Ich hatte einfach Lust, etwas Neues auszuprobieren“, sagt der Spross einer Schauspielerfamilie aus Halle.

Kurz vor Sonnenuntergang darf Michael Pietsch das cholerische Element von August dem Starken richtig ausleben. Mit seinem Degen stutzt er wutentbrannt einen Strauch auf Bonsaigröße. Ein paar Stunden später bittet der Regisseur in den Burggraben. Die Eröffnungsszene soll gedreht werden. Fackelschein erleuchtet den Graben vor dem Schloss. Die beiden Degen glänzen im Fackelschein. „Wunderbar, danke“, ruft Marten und ist sehr zufrieden. Die Szene ist im Kasten. Die Fechtkünste von Michael Pietsch und Oliver Chomik haben ihn überzeugt. Die zwei Jahre Fechtunterricht während des Studiums haben sich für die beiden jungen Schauspieler ausgezahlt. Im Film werden die beiden sich 45 Sekunden lang duellieren. Die actionreiche Szene am Anfang steht symbolisch für den Film, der dem Bruderzwist zwischen August dem Starken und seinem älteren Bruder Johann Georg auf der Spur ist.

 

Pressemitteilung © OTTONIA Media GmbH 07/2008