Walter Ulbricht - Der Mann, mit dem niemand rechnete

Er ist der Spitzbart mit der sächselnden Fistelstimme, ein Moskau höriger Schmalspurdiktator. Historische Dokumentationen ziehen ihn, je nach Bedarf, als Witzfigur, Lachnummer oder starrköpfigen menschenverachtenden Tyrannen aus den Archiven. Doch mit dieser Sicht wiederholt man nur den Fehler, der schon zu Ulbrichts Lebzeiten seinen Gegnern und politischen Konkurrenten unterlaufen ist.

1945 kehrt Walter Ulbricht aus dem Moskauer Exil zurück. Im Gepäck hat er nicht nur einen kommunistischen Aufbautrupp, die „Gruppe Ulbricht“, sondern die Spitzenposition der KPD. Wie gelangte der geborene Leipziger, ein Mann, der lange Zeit lediglich in der zweiten Parteireihe als pedantischer Organisator  agierte, ganz nach oben?

Walter Ulbricht war ein eher unscheinbares KPD-Mitglied. Dann wurde er Staatschef ...

Er war bereit, den Kommunismus gewaltsam herbeizurufen.

Für Ulbricht war lediglich das Ziel entscheidend. So ging er auch über Leichen.

Ulbricht (mi.) bei seinem ersten Treffen mit Stalin.

Walter Ulbricht (Thomas Wendrich) vor dem Reichstag.

In der KPD erledigte Ulbricht die Schreibtischarbeit.

Wirtschaftskrise 1923. Das viele Geld ist nichts wert.

Ulbricht bei seinen politischen Anfängen
(alle Bilder: Filmausschnitte/MDR)

Walter Ulbricht (Thomas Wendrich) vor dem Reichstag.
Ulbricht versorgte die Arbeiter auch mit Waffen.

Richtig vorgesehen jedenfalls war er dafür nicht. Machtgier, Opportunismus, Intrigen und offene Rachsucht sind Ulbrichts ständige Wegbegleiter. Für ihn heiligt der Zweck die Mittel. So billigt er ausdrücklich die Bülowplatz-Morde von 1931. Ohne Bedenken lieferte er seine Gegner und Rivalen bewusst an die Mühlen der stalinistischen „Säuberung“ aus.

Ulbricht selbst hat Glück. Stalin ist ihm wohl gesonnen. Doch retten ihn auch seine stets aktuellen Informationen über die Vorgänge in Moskau sowie sein Riecher für zeitgenaue Kehrtwenden in politischen Fragen. So vermeidet er es tunlichst, zugunsten der Freilassung des mittlerweile in Ungnade gefallenen Ernst Thälmann bei Stalin zu intervenieren.

Trägt Ulbricht sogar, wie ihm vorgeworfen wird, Schuld an Thälmanns Tod, um freie Bahn an der Spitze der KPD zu haben? Einst ein Kamerad und zugleich Spross auf seiner Karriereleiter, hat Thälmann für Ulbricht auf jeden Fall ausgedient. 1944 wird die Symbolfigur der deutschen Kommunisten von den Nazis ermordet. Wie Ulbricht wurde, was er war: Ein Tischler, ein Bürokrat, ein Schreibtischmörder, ein Staatschef.

 

 

Sendung:
26.11.2006, 20.15 Uhr, MDR

Drehorte:
Leipzig, Berlin, Moskau

 

Regisseur André Meier überdenkt die nächste Einstellung.(Bild: Michael Baumgärtel)
Regisseur André Meier überdenkt die nächste Einstellung.

Der Autor und Regisseur: André Meier

André Meier wurde 1960 in Berlin geboren. Er studierte Kunstgeschichte und arbeitet seit 1992 als freier Autor für Presse, Rundfunk, Fernsehen und Theater. Er ist als Redakteur der Berliner Tageszeitung taz und als Korrespondent für die Kunstzeitschrift „Art“ in Hamburg tätig.

André Meier ist Autor und Regisseur zahlreicher TV-Produktionen. So verfasste er u.a. die Drehbücher zu „Auch deutsche Kunst“ (ARD, 1992) „Abgehangen und vergessen, Kunst der DDR“ (WDR, ORB, 1996) „Soundtrack Ost – Musik und Macht in der DDR“, ARTE, 2004, „Liebte der Osten anders?“ (ARD, ARTE, 2006) oder „Das Mädchen und die Panzer“ (ARTE, 2009).

Für die „Geschichte Mitteldeutschlands“ ist er seit 2001 regelmäßig als Autor und Regisseur tätig. 

Kameramann André Böhm dreht die nächste Einstellung (Bild: Axel Berger)
Kameramann André Böhm bei der Arbeit.

Der Kameramann: André Böhm

André Böhm, Jahrgang 1962, absolvierte das Studium zum Kameramann in Potsdam-Babelsberg. Nach erfolgreichem Abschluss, arbeitete er beim DDR-Fernsehen. Seit 1992 ist er freiberuflich tätig und dreht vor allem Reportagen und Dokumentationen (u.a. „Bilderbuch Deutschland“, „Legenden“) sowie für verschiedene Kulturmagazine, wie den „Kulturreport“ und „aspekte“. Im Jahre 2006 drehte er u.a. für das ZDF eine Biografie über Heinz Rühmann und eine dreiteilige Geschichtsdokumentation über die deutsche Wehrmacht.

Für „Geschichte Mitteldeutschlands“ drehte bereits die Filme über Otto von Bismarck (2004) und Kunz von Kaufungen (2005).

Die DarstellerInnen

Thomas Wendrich - Walter Ulbricht
Suse Brambosch - Lotte Ulbricht
Andrea Ummenberger - Rosa Michel
Fleur Poad - Martha Schmellinsky

Das Projekt-Team

Autor: André Meier
Regisseur: André Meier
Kamera: André Böhme
Kamerassistent: Mathias Schulze
Licht: Mario Erdenberger

Kostüm: Manuela Samson
Maske: Nadine Ostafinski
Ausstattung: Friederike Meintke
Requisite: Hartmut Behder
Musik: Kai Safran

Aufnahmeleitung: Tilo Gläßer
Produktionsleitung: Volker Holeček
Producer: Gabriela Reichelt

Redaktion: Winifred König
Leitung: Claudia Schreiner