Wir werden noch gebraucht -

Die Alten packen’s an


Ihre Gehhilfen lehnen am Schreibtisch, während sie mit einer alten Patientin telefoniert. „Müllers Elli braucht wieder Tabletten“, ruft sie Schwester Christel zu. Die Landärztin praktiziert seit 47 Jahren, ist heute 81. Ihr Name: Dr. Brunhilde Ziegenhahn. Sie ist ausgebildete Kinderärztin und mit 70 noch Allgemeinmedizinerin geworden.

Wann kommt der Ruhestand? „Ich kann doch meine Patienten nicht im Stich lassen“, lautet die Antwort. Sie weiß, dass sie zu den letzten Ärztinnen in der Gegend gehört.

Dr. med. Brunhilde Ziegenhahn (81) in ihrer Praxis

Morgens kommt er stets 10 Minuten zu spät in die Apotheke, nennt seine Angestellten „Meine Damen!“, zahlt ihnen eine „Pendlerpauschale“ selbst und hat jeder testamentarisch 10.000 Euro versprochen. Sein Name: Wolfgang Liebe, mit 91 Jahren immer noch Chef einer Apotheke. In Bad Liebenwerda kennt ihn jeder. Wann hört er auf? „Aufhören, das ist kein Thema“, sagt er. Wie sollte er das seinen „Damen“ und seinen Kunden erklären. Denn er spürt: „Sie brauchen mich doch.“

Es ist nicht der Wunsch nach Geld, der viele Senioren weiter machen lässt. Die Erfahrung, für andere Menschen Verantwortung zu tragen, motiviert sie. Und sie empfinden Genugtuung und Freude, wenn sie im hohen Alter noch nützlich sein können. Was wird dann, wenn Menschen wie Wolfgang Liebe oder Brunhilde Ziegenhahn nicht mehr da sind?

Die Reportage stellt Senioren im Unruhestand vor. Zu erleben sind Menschen, die bis ans Lebensende einer Maxime folgen: Für andere da zu sein.

Sendetermin: 10. April 2009, 19 Uhr im MDR